Bentley (Australien) – In 115 Millionen Jahre alten Dinosaurierknochen haben Forscher erstmals eindeutige chemische Belege fossilisierter roter Blutkörperchen nachgewiesen. Der Fund gibt nicht nur neue Einblicke in die Biologie der Dinosaurier – er könnte auch für die Suche nach Spuren früheren außerirdischen Lebens bedeutsam sein.

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Wie das internationale Forschungsteam unter Leitung von Kliti Grice von der Curtin University aktuell im Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS, DOI: 10.1073/pnas.2614248123) berichtet, haben sie in den Fossilien eines 2008 im Nordwesten Brasiliens entdeckten theropoden Sauriers der Art Aratasaurus museunacionali erstmals eindeutig fossilisierte rote Blutkörperchen und erhaltene Bestandteile des Blutfarbstoffs Hämoglobin nachgewiesen. Von dem Fund erhoffen sich die Forschenden neue Möglichkeiten, die Biologie längst ausgestorbener Tiere auf molekularer Ebene zu untersuchen.
Chemischer Nachweis von Blutbestandteilen
Wie das Team berichtet, fanden sie die mineralisierten Blutanteile in den einstigen Gefäßkanälen der Knochen. Schon zuvor hatten andere Wissenschaftler bereits Strukturen in Saurier-Fossilien beschrieben, die solchen Blutzellen ähnelten (…GreWi berichtete). Ein eindeutiger chemischer Nachweis stand jedoch bislang aus.
Diesen Nachweis erbrachte das Forschungsteam um Kliti Grice nun durch den Nachweis sogenannter Häm-Moleküle innerhalb der Zellen. Häm ist der sauerstoffbindende Bestandteil des Hämoglobins und damit ein charakteristisches Element des roten Blutfarbstoffs.
Die Studienleiterin bezeichnete den Fund als Meilenstein, der nicht nur den bekannten Fossilbericht tierischen Blutes erweitere, sondern auch einen unmittelbaren molekularen Zugang zur Physiologie ausgestorbener Tiere ermögliche.
Mineralien als natürliche Zeitkapsel
Eine entscheidende Rolle für die außergewöhnliche Erhaltung spielte offenbar das Mineral Hausmannit. Es durchsetzte die roten Blutkörperchen und könnte als natürliche Zeitkapsel sowohl die Zellstrukturen als auch biomolekulare Bestandteile stabilisiert haben. Dazu zählen auch erhaltene Aminosäuren des Strukturproteins Kollagen.

Quelle: grewi.de
Die Forscherinnen und Forscher vermuten, dass der Dinosaurier kurz nach seinem Tod rasch bedeckt wurde und dabei schnell in eine sauerstoffarme, mikrobenreiche Umgebung gelangte. Diese Bedingungen könnten den Zerfall organischer Strukturen verlangsamt und ihre anschließende Mineralisierung begünstigt haben.
Der Fund stellt zugleich auch bisherige Annahmen über die zeitlichen Grenzen molekularer Fossilerhaltung infrage. Insbesondere galt es als fraglich, ob Bestandteile des Hämoglobins über derart lange geologische Zeiträume hinweg erhalten bleiben können.
Bedeutung für Paläontologie, aber auch Astrobiologie
Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausführen, eröffnet die Entdeckung zum einen neue Möglichkeiten für die molekulare Paläontologie: Anhand erhaltener Biomoleküle könnten Forscher künftig unter anderem die Evolution des Blutes, den Stoffwechsel und möglicherweise auch das Aktivitätsniveau ausgestorbener Tiere genauer untersuchen.
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Zum anderen sehen sie aber auch mögliche Konsequenzen für die Astrobiologie: Martin Van Kranendonk, ebenfalls an der Curtin University, verweist diesbezüglich darauf, dass die Erkenntnisse helfen könnten, die Bedingungen besser zu verstehen, unter denen biologische Strukturen über lange Zeiträume oder in extremen Umgebungen erhalten bleiben.
Das ist auch für die Suche nach Spuren früheren Lebens außerhalb der Erde relevant. Schließlich stelle sich auch bei der Erforschung anderer Himmelskörper ebenfalls die Frage, welche biologischen Überreste unter den dortigen Bedingungen langfristig konserviert werden können.
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Forscher finden rote Blutzellen in Dinosaurier-Fossilien 10. Juni 2015
Recherchequelle: Curtin University
© grewi.de
