Seattle (USA) – Mit dem neuen Vera-Rubin-Observatorium haben Astronomen einen bislang unbekannten Zwergplaneten-Kandidaten am Rande unseres Sonnensystems entdeckt.

Copyright: NSF–DOE Vera C. Rubin Observatory/NOIRLab/SLAC/AURA/R. Proctor
Super-Teleskop mit 3,2 Milliarden Pixeln
Seit vergangenem Juni späht das neue Vera C. Rubin Observatory vom Gipfel des Cerro Pachón in Chile in die Tiefen des Alls. Gemeinsam von der US-amerikanischen National Science Foundation (NSF) und dem Energieministerium (DOE) finanziert, soll es mit seinem 8,4-Meter-Teleskop und einer Digitalkamera mit 3,2 Milliarden Pixeln den südlichen Himmel zehn Jahre lang systematisch erfassen. Im Abstand weniger Nächte fotografiert die Teleskopkamera dabei immer wieder dieselben Himmelsausschnitte und erstellt so eine Art Zeitraffer des Südhimmels. Die Daten sollen unter anderem helfen, Asteroiden und Kometen aufzuspüren, neue Zwergplaneten-Kandidaten zu entdecken, explodierende Sterne und andere vorübergehende Himmelsereignisse zu erfassen sowie die Erforschung der Dunklen Materie, der Dunklen Energie und der Struktur unserer Milchstraße voranzubringen.
Bereits im April, also noch vor dem offiziellen Start der wissenschaftlichen Arbeit, hatte Rubins Sonnensystem-Team Beobachtungen von mehr als 11.000 neuen Asteroiden bekannt gegeben. Darunter befanden sich rund 380 neue transneptunische Objekte.
Neuer Zwergplanet-Kandidat
Wie Matthew Holman vom Harvard & Smithsonian Center for Astrophysics und Mario Jurić von der University of Washington auf einer Pressekonferenz berichteten, haben sie mit dem Rubin-Observatorium Hinweise auf einen weit entfernten Himmelskörper jenseits der Pluto-Bahn entdeckt. Der Körper erhielt die vorläufige Bezeichnung „2026 ED138“.
Erste Messungen ordnen das Objekt unter die größten jemals entdeckten Zwergplaneten-Kandidaten jenseits des Neptuns ein. Sollte sich diese Einstufung bestätigen, würde er sich den fünf von der Internationalen Astronomischen Union anerkannten Zwergplaneten anschließen: dem ehemals neunten Planeten Pluto, Ceres, Eris, Haumea und Makemake.
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„Wenn ED138 als Zwergplanet bestätigt wird, würde er zu einer sehr kleinen Gruppe von Welten gehören“, sagte Holman. „Ein so großes Objekt mit einem Durchmesser von ungefähr 1.000 Kilometern zu finden, kommt vielleicht nur einmal in einer Generation vor“, fügt Jurić hinzu. Laut den Astronomen handelt es sich um das größte sogenannte transneptunische Objekt, das seit etwa 20 Jahren entdeckt wurde.
Um jeden Zweifel auszuräumen, durchsuchten die Forscher auch andere Beobachtungskataloge und Aufnahmen und fanden 20 weitere Beobachtungen, die bis in den März 2026 zurückreichten. Das Team entdeckte „ED138“ außerdem auf Archivbildern anderer Durchmusterungen, die bis ins Jahr 2016 zurückgehen. Auf diese Weise konnten die Wissenschaftler die Umlaufbahn des Objekts mittlerweile über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren rekonstruieren.
Weitere Beobachtungen notwendig
ED138 befindet sich derzeit in einer Entfernung von etwa 46 Astronomischen Einheiten (AE = gemittelte Distanz Erde und Sonne). Zum Vergleich: Der Zwergplanet Pluto umkreist die Sonne in einer durchschnittlichen Entfernung von 40 AE. Damit gehört ED138 zu den transneptunischen Objekten (TNOs) – also zu Körpern, die die Sonne in größerer Entfernung als Neptun umkreisen.
Wissenschaftler untersuchen Größe, Zusammensetzung und Umlaufbahnen transneptunischer Objekte, um besser zu verstehen, wie das Sonnensystem entstanden ist, wie die Riesenplaneten im Laufe der Zeit ihre Position veränderten und wie kleinere Körper während dieser Entwicklung auf unterschiedliche Bahnen verstreut wurden.
Damit ein Himmelskörper als Zwergplanet eingestuft werden kann, muss er genügend Masse besitzen, damit seine eigene Schwerkraft ihn in eine annähernd runde Form bringt. Auf Grundlage der Entfernung von „ED138“, seiner Helligkeit und des geschätzten Reflexionsvermögens der Oberfläche geht das Team davon aus, dass das Objekt einen Durchmesser zwischen 600 und 1.500 Kilometern besitzt, also auch rund sein sollte. Bis „ED138“ jedoch offiziell als Zwergplanet bestätigt werden kann, braucht es noch weitere Beobachtungen, um seine genaue Größe zu bestimmen.
Weil „ED138“ in einem Himmelsbereich nahe der von Sternen dicht besetzten Ebene der Milchstraße entdeckt wurde, ging das Objekt in bisherigen Himmelsdurchmusterungen aufgrund der Vielzahl der Hintergrundquellen unter. Dies dürfte erklären, weshalb es erst jetzt entdeckt wurde.
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Recherchequelle: University of Wahington
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