Bislang stärkste Hinweise auf einen Begleitstern von Beteigeuze

Geschrieben am 28.07.2026
von Andreas Müller

Paris (Frankreich) – Seit mehr als einem Jahrhundert vermuten Astronominnen und Astronomen, dass der Rote Überriese Beteigeuze, ein Schulterstern des Orion, nicht allein durchs All zieht. Neuste Beobachtungen mit dem „Very Large Telescope“ (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) liefern nun den bislang überzeugendsten Nachweis solchen Begleitsterns.

VLT-Aufnahme dessen, was sehr wahrscheinlich ein Begleitstern (Beteigeuze B) ist, der den sog. Orion-Schulterstern Beteigeuze umkreist.Copyright: ESO/M. Montargès et al. Background: N. Rissinger (skysurvey.org)
VLT-Aufnahme dessen, was sehr wahrscheinlich ein Begleitstern (Beteigeuze B) ist, der den sog. Orion-Schulterstern Beteigeuze umkreist.
Copyright: ESO/M. Montargès et al. Background: N. Rissinger (skysurvey.org)

Wie die Forschenden um Miguel Montargès vom Observatoire de Paris aktuell im Fachjournal „Astronomy & Astrophysics“ (DOI: xxx) berichten, handele es sich um die schärfste Aufnahme des mutmaßlichen Sterns „Beteigeuze B“.

Lange Suche nach einem Begleiter

Beteigeuze zählt zu den bekanntesten Sternen des Nachthimmels. Der rötlich leuchtende Überriese ist mit bloßem Auge gut sichtbar und wird seit Jahrtausenden beobachtet. Besonders bekannt ist er für seine unregelmäßigen Helligkeitsschwankungen, die bereits vor rund 100 Jahren zur Vermutung führten, dass über eine baldige Supernova ebenso diskutiert wurden, wie über einen bislang unentdeckten Begleitstern, der für die Schwankungen mitverantwortlich sein könnte (…GreWi berichtete, siehe weiterführenden Links u.).

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Trotz zahlreicher Beobachtungsversuche blieb dieser Begleiter jedoch unauffindbar. Zwei im Jahr 2024 veröffentlichte Studien sagten schließlich voraus, dass sich der vermutete Begleitstern im Dezember 2024 in seinem größten scheinbaren Abstand zu Beteigeuze befinden und damit besonders gut beobachtbar sein würde. Das Team um nutzte diese Gelegenheit und beobachtete den Stern mit dem ESO-VLT in der chilenischen Atacama-Wüste. Anschließend wurden die Daten über mehrere Monate hinweg ausgewertet.

Überraschend massereicher Stern

Die nun vorgestellte Analyse brachte eine Überraschung: Der nun direkt abgebildete Begleiter scheint deutlich massereicher zu sein als bislang angenommen. Während frühere Modelle von einer Masse in der Größenordnung unserer Sonne ausgegangen waren, deuten die neuen Beobachtungen darauf hin, dass „Beteigeuze B“ etwa zwei- bis dreimal so massereich wie die Sonne ist.

Bereits zuvor hatte es einzelne Hinweise auf einen möglichen Nachweis gegeben (…GreWi berichtete), unter anderem mit dem Gemini-Nord-Teleskop auf Hawaiʻi. Die neuen VLT-Aufnahmen gelten jedoch als deutlich aussagekräftiger.

Die Aufnahme entstand im Dezember 2024 SPHERE-Instrument, als der Begleiter von der Erde aus gesehen den größten scheinbaren Abstand zu Beteigeuze haben sollte. Der Kreis gibt die Größe von Beteigeuze an, der hier herausgerechnet wurde. Die helle Quelle links, die mit einem Fadenkreuz markiert ist, stimmt mit Beteigeuze B überein.Copyright: ESO/M. Montargès et al.
Die Aufnahme entstand im Dezember 2024 SPHERE-Instrument, als der Begleiter von der Erde aus gesehen den größten scheinbaren Abstand zu Beteigeuze haben sollte. Der Kreis gibt die Größe von Beteigeuze an, der hier herausgerechnet wurde. Die helle Quelle links, die mit einem Fadenkreuz markiert ist, stimmt mit Beteigeuze B überein.
Copyright: ESO/M. Montargès et al.

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse wollen die Forschenden ihre Schlussfolgerung noch absichern. Dazu soll der Begleiter in etwa einem Jahr erneut beobachtet werden, wenn er sich auf der gegenüberliegenden Seite von Beteigeuze befinden sollte. Nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren bestehen allerdings bereits jetzt nur noch geringe Zweifel daran, dass der Begleitstern tatsächlich existiert.

Bedeutung für die Entwicklung von Beteigeuze und dessen Supernova

Vor einigen Jahren rückte Beteigeuze weltweit in den Fokus der Öffentlichkeit, als sich seine Helligkeit plötzlich deutlich verringerte. Damals wurde spekuliert, der Rote Überriese könnte kurz vor einer Supernova-Explosion stehen.

Untersuchungen desselben Forschungsteams zeigten jedoch, dass die ungewöhnliche Verdunkelung nicht auf den unmittelbar bevorstehenden Tod des Sterns zurückzuführen war. Stattdessen hatte eine von Beteigeuze ausgestoßene Staubwolke einen Teil seines Lichts abgeschirmt. Da Beteigeuze als entwickelter Roter Überriese dennoch irgendwann als Supernova explodieren wird, eröffnet der nun entdeckte Begleiter neue Forschungsfragen.

Die Astronominnen und Astronomen wollen nun untersuchen, welchen Einfluss Beteigeuze B auf die weitere Entwicklung des Überriesen und dessen spätere Explosion haben könnte. Ob der Begleitstern die Entwicklung des massereichen Sterns verändert oder gar den Ablauf einer künftigen Supernova beeinflusst, ist bislang völlig offen. Gerade deshalb dürfte der mögliche Nachweis von Beteigeuze B in den kommenden Jahren zu zahlreichen weiteren Beobachtungen führen.

Für das Forschungsteam markiert die Entdeckung bereits jetzt einen außergewöhnlichen wissenschaftlichen Erfolg. Dass ausgerechnet bei einem der am intensivsten untersuchten Sterne des Himmels noch ein bislang verborgener Begleiter gefunden werden konnte, der zudem heller und massereicher als unsere Sonne ist, unterstreicht nach Ansicht der Forschenden, dass selbst scheinbar gut bekannte Himmelsobjekte noch immer Überraschungen bereithalten.

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Recherchequelle: ESO

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