Canberra (Australien) – Neue archäologische Untersuchungen in der Cloggs Cave im Südosten Australien, liefert überraschende Belege für 25.000 Jahre alte spirituelle Praktiken der GunaiKurnai, der traditionellen Hüter der Region Gippsland.

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Wie das Team um Elle grono von der Australian National University aktuell im Fachjournal „Frontiers in Environmental Archaeology“ (DOI: https://www.frontiersin.org/journals/environmental-archaeology/articles/10.3389/fearc.2026.1871928/full) berichten, brachten Menschen über einen Zeitraum von rund 25.000 Jahren gezielt ganze Grasbüschel in die Höhle, um sie dort zu verbrennen. Die Ergebnisse stützen historische Überlieferungen, wonach die Höhle als Ort für Heilungs-, Magie- und Fluch-Rituale diente. Die Studie entstand auf Wunsch der GunaiKurnai Land and Waters Aboriginal Corporation, deren Vertreter an Planung, Ausgrabungen, Auswertung und Interpretation der Ergebnisse beteiligt waren.
Mikroskopische Pflanzenreste als archäologische Spur
Im Mittelpunkt der Untersuchung standen sogenannte Phytolithe – mikroskopisch kleine Silikatkörper, die sich in Pflanzengewebe bilden und nach dessen Zerfall im Boden erhalten bleiben.
Anders als Pollen werden Phytolithe kaum durch Wind oder Insekten verbreitet. Da im Inneren der lichtlosen Höhle keine Pflanzen wachsen können, mussten sie entweder von Menschen oder – im Falle unverbrannter Pflanzenreste – möglicherweise auch von Tieren wie Possums hineingetragen worden sein. Für ihre Analysen konzentrierten sich die Forschenden deshalb auf verkohlte Phytolithe aus Ascheschichten, da diese nur durch menschliches Handeln in die Höhle gelangt sein konnten.
Die Wissenschaftler untersuchten Tausende Phytolithe aus zwei bis zu 2,3 Meter tiefen Grabungsschnitten. In den oberen Sedimentschichten fanden sie insgesamt 73 dünne Aschelagen, die nach Datierungen mittels optisch stimulierter Lumineszenz sowie Radiokohlenstoffanalyse zwischen etwa 4.400 und 1.600 Jahren vor heute entstanden.
Zwischen diesen Ascheschichten entdeckte das Team zudem einen 28 Zentimeter hohen aufgerichteten Stein, der nach den Datierungen vor rund 2.000 Jahren als Bestandteil ritueller Handlungen in der Höhle aufgestellt worden war.
Ganze Grasbüschel gezielt ausgewählt
Insgesamt identifizierten die Forschenden 29 verschiedene Phytolith-Typen, die von Gräsern, krautigen Pflanzen und Gehölzen stammen.
Mit einem Anteil von bis zu 97 Prozent dominierten jedoch eindeutig Gräser. Vertreten waren sowohl Arten gemäßigter als auch warmer und feuchter Klimazonen. Deutlich seltener fanden sich trockenheitsresistente Gräser sowie Überreste von Bäumen oder anderen Pflanzen.
Die Zusammensetzung der Pflanzenreste zeigt nach Ansicht der Autoren, dass die damaligen Menschen ihre Auswahl gezielt trafen. Statt die vielfältige Vegetation der umliegenden Wälder zu nutzen, sammelten sie bevorzugt Gräser in der unmittelbaren Umgebung der Höhle.
Bemerkenswert ist zudem, dass nicht nur einzelne Pflanzenteile, sondern komplette Pflanzen – einschließlich Stängeln, Blättern, Blüten und Wurzeln – in die Höhle gebracht wurden. Da viele dieser Bestandteile nicht essbar sind, schließen die Forschenden eine Nutzung als Nahrungsquelle aus.
Nahezu 18 Prozent aller nachgewiesenen Phytolithe weisen Brand- oder Schmelzspuren auf. Diese verkohlten Pflanzenreste finden sich durch sämtliche untersuchten Sedimentschichten hindurch und belegen, dass Menschen während des gesamten nachgewiesenen Nutzungszeitraums Pflanzen in die Höhle brachten und dort verbrannten. Nach Ansicht der Autorinnen und Autoren spricht diese bemerkenswerte Kontinuität für eine über viele Jahrtausende hinweg fortgeführte kulturelle Tradition.
Archäologie bestätigt mündliche Überlieferungen
Historische ethnografische Berichte des 19. Jahrhunderts sowie die mündlichen Traditionen der GunaiKurnai beschreiben die Cloggs Cave als einen Ort, an dem sogenannte „mulla-mullung“, also besonders spirituell erfahrene Frauen und Männer – Rituale zur Heilung, Magie, aber auch zum Verfluchen ausführten.
Die neuen archäologischen Befunde passen nach Einschätzung der Forschenden zu diesen Überlieferungen. Das Verbrennen der Gräser stehe im Einklang mit traditionellen Praktiken der GunaiKurnai, bei denen Asche sowohl für magische und rituelle Handlungen als auch zum Sichtbarmachen von Fußspuren – einschließlich jener spiritueller Wesen – verwendet wurde.

Quelle: Bruno David, GunaiKurnai Land and Waters Corporation
Zusätzliche Hinweise liefern weitere Funde aus tieferen und älteren Sedimentschichten. Dort entdeckten die Archäologen unter anderem bearbeitete Holzstäbe aus Kasuarinenholz, die mit Fett bestrichen waren. Diese deuten darauf hin, dass neben den Grasverbrennungen auch andere rituelle Praktiken mit Holzmaterialien Teil der jahrtausendelangen spirituellen Nutzung der Höhle gewesen sein könnten.
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Recherchequelle: Frontiers
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