Edmonton (Kanada) – Dass Magnetismus, elektromagnetische Strahlung und nicht zuletzt Infraschall für Wahrnehmungen angeblicher Spukphänomene verantwortlich sein sollen, ist nicht keine neue Theorie. Eine aktuelle Studie hat diese Idee nun erneut experimentell untersucht und kommt zu interessanten Ergebnissen – jedoch anders, als einige Nachrichtenmeldungen dies darstellen.

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Die Überschriften zu den Ergebnissen der Studie klingen eindeutig: „Studie: Infraschall wahrscheinlich ein Schlüsselfaktor bei angeblichen Spukphänomenen“, schreibt „Ars Technica“; „Von Geistern heimgesucht? Neue Studie liefert überraschende Erklärung“ , titelt „Gizmodo“ und der „The Guardian“ schreibt: „Unheimliche Gefühle in alten Häusern könnten durch Geräusche von Heizungen verursacht werden, so eine Studie“.
Für die aktuell im Fachjournal „Frontiers in Behavioral Neuroscience“ (DOI: 10.3389/fnbeh.2026.1729876) veröffentlichte Studie untersuchte das Team um Rodney M. Schmalz und Kale R. Scatterty vom Department of Psychology an der kanadischen MacEwan University die Auswirkungen von Infraschall auf 36 Probanden. Diesen Freiwillige wurde entweder beruhigende Instrumentalmusik oder eher beunruhigende Musik, wie sie Geisterbahnen und Spukattraktionen verwendet wird. Bei der Hälfte der Fälle spielten die Forscher zusätzlich – ohne Wissen der Teilnehmer – Infraschall über versteckte Subwoofer ein. Bei Infraschall handelt es sich um mit Frequenzen unterhalb der üblichen menschlichen Hörschwelle von etwa 20 Hz bis 20 kHz. Die Teilnehmer selbst konnten nicht erkennen, wann der Infraschall aktiv war. Dennoch zeigten Tests, dass sie sich in diesen Phasen gereizter fühlten, die Musik als trauriger bewerteten und höhere Cortisolwerte im Speichel aufwiesen.
„Egal ob sie beruhigende Musik oder etwas Unheimlicheres hörten – der Infraschall verschob ihre Stimmung und ihre Stressreaktion in eine negative Richtung“, erläutert Schmaltz gegenüber dem „The Guardian“. „Einfach gesagt: Man kann Infraschall nicht hören, aber der Körper und die Stimmung reagieren offenbar trotzdem darauf – und diese Reaktion ist tendenziell unangenehm.“
Medienkritik: Was die Studie wirklich sagt
Wie Greg Taylor von „DailyGrail.com“ jedoch erläutert, deuten die Forschenden selbst ihre eigenen Ergebnisse anders und vorsichtiger als die Überschriften der zahlreichen Medienberichte dazu.
Tatsächlich unterstrich Rodney Schmalz gegenüber „Ars Technica“ sogar, dass Infraschall Spukerscheinungen nicht verursache: „Wir sagen definitiv nicht, dass wir Spuk erklärt und gelöst haben. Aber in einigen älteren Gebäuden könnte es tiefes Grollen von Rohren geben [das Infraschall erzeugt], und wenn jemand bereits erwartet, dass etwas Unheimliches passiert, könnte der Infraschall dieses Etwas verstärken.“
„Das Problem ist also nicht nur, dass die Überschriften die tatsächlichen Ergebnisse übertreiben, die Ergebnisse selbst liefern nämlich keinen Hinweis darauf, dass Infraschall Angst oder Furcht auslöst – also genau jene Emotionen, die typischerweise mit Spukhäusern verbunden werden“, kommentiert Taylor. „Stattdessen scheinen eher Gefühle wie Genervtheit, Frustration und Desinteresse ausgelöst worden zu sein.“
– Auch in zahlreichen deutschsprachigen Medien wird behauptet, die Studie könne nicht nur Spuk erklären, sondern auch „Angst“ erzeugen, obwohl dies nicht das exakte Ergebnis und Aussage der Studie ist.
Studienergebnis wichtig und interessant
Zugleich gesteht Taylor der Studie und ihren Ergebnissen jedoch ein, einen interessanten Beitrag zu liefern: „Es handelt sich um ein spannendes Experiment mit bemerkenswerten Schlussfolgerungen. Die Vorstellung, dass verborgene Einflüsse – etwa Infraschall, Magnetismus oder elektromagnetische Strahlung – unsere Wahrnehmung und unseren Gemütszustand beeinflussen könnten, während wir uns vieler dieser Faktoren gar nicht bewusst sind, bleibt faszinierend.“
Die Studie zeigt also erneut, dass es durchaus Hinweise auf eine unbewusste Reaktion auf Infraschall gibt. Allerdings scheint Infraschall weder Angst noch Furcht auszulösen – also nicht das, was viele Menschen in angeblich heimgesuchten Häusern berichten. Zudem fand die Studie keinerlei Hinweise auf andere typische Spukphänomene wie plötzliche Temperaturabfälle, Erscheinungen, Poltergeist-Aktivitäten, schwefelartige Gerüche oder Stimmen.
„Hinzu kommt, dass das Thema bereits früher untersucht wurde“ fügt Taylor hinzu. „Schon 2008 wurde über das sogenannte ‚Haunt Project‘ berichtet – ein Versuch, einen ‚Spukraum‘ zu erzeugen, indem bestimmte Bereiche mit elektromagnetischen Feldern und Infraschall bestrahlt wurden, um die Reaktionen von Testpersonen zu beobachten. Doch auch dort zeigte sich kein Zusammenhang zwischen unheimlichen Gefühlen und dem Vorhandensein von elektromagnetischen Feldern oder Infraschall.“
WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Ausstellung „Geister“ – Kunstmuseum Basel ist „dem Übernatürlichen auf der Spur“ 24. September 2025
Recherchequelle: Frontiers, DailyGrail.com, eigenen Recherche
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