Patterson-Gimlin-Footage: Doku liefert angeblich Beweise für Bigfoot-Schwindel

Geschrieben am 25.03.2026
von Andreas Müller

Austin (USA) – Seit 1967 sorgt der sogenannte Patterson-Gimlin-Film für kontroverse Diskussionen darüber, ob es sich um den definitiven Filmbeweis für die Existenz von Bigfoot handelt, oder ob der Film ein Schwindel ist und lediglich einen „Mann im Affenkostüm“ zeigt. Ein neuer Dokumentarfilm beansprucht nun, ultimative Beweise für einen Schwindel gefunden zu haben. Gesehen haben den Film bislang aber nur wenige.

Das Filmplakat zur neuen Doku
Das Filmplakat zur neuen Doku „capturing Bigfoot“ zeigt die wohl berühmteste Bigfoot-Filmszene: ein Standbild aus dem sog. Patterson-Gimlin-Film von 1967.

Laut Berichten von Besuchern des alljährlichen SXSW-Festivals in Austin, Texas, auf dem „Capturing Bigfoot“ Premiere hatte, soll der Film belegen, dass es sich bei der berühmten Aufnahme von 1967 um einen von Roger Patterson und Bob Gimlin selbst inszenierten Schwindel handelt – eine Behauptung, die von den beiden zeitlebens verneint wurde.

Sowohl unter Kryptozoologen, also Forschenden, die sich mit angeblich mythologischen und ausgestorbenen Tierarten befassen, die jedoch weiterhin von Augenzeugen gesehen aber noch nicht wissenschaftlich beschrieben oder nachgewiesen wurden, als auch erwartungsgemäß unter Kritikern und Skeptikern dieses Forschungsfeldes, wird der Patterson-Gimlin-Film bereits seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert. Einige der führenden Kryptozoologen, darunter der erst kürzlich relativ unerwartet verstorbene Anthropologe und Bigfoot-Forscher Dr. Jeff Meldrum (…GreWi berichtete) und Loren Coleman waren bzw. sind davon überzeugt, dass die Aufnahmen ein echtes unbekanntes Wesen und nicht den oft von Skeptikern zitierten „Mann im Affenkostüm“ zeigen. Bislang wurden bereits zahlreiche Belege und anatomische Beweise für diese Position zusammengetragen (…GreWi berichtete).

Dies alles könnte nun hinfällig werden – sollten sich die Behauptungen in „Capturing Bigoot“ als wahr und chronologisch korrekt eingeordnet erweisen.

Allerdings wurde der Film bislang lediglich einmalig auf dem SXSW-Festivals gezeigt. Digitale Kopien liegen selbst Experten bislang nicht vor. Wann und ob der Film einen Verleih findet und dann unabhängig begutachtet werden kann, ist bislang nicht bekannt.

Aus journalistischer Sicht ist dieser neue Trend (UFO-Interessierte erinnern sich vermutlich an „Age of Disclosure“, der ebenfalls auf dem SXSW-Festival Premiere hatte und danach erst Monate später öffentlich zu sehen war…) bedauerlich, da es kaum möglich ist, sich ein eigenes Bild zu machen und man auf lange Sicht auf die meist (verständlicherweise) sensationalisierten Aussagen der Filmemacher und Produzenten angewiesen ist. Als Journalist wird man automatisch zum Promoter eines Produkts, das man selbst noch gar nicht gesehen hat, und das ist keine gute Grundlage für eine objektive Berichterstattung.

Im Zentrum der Behauptungen von und in „Capturing Bigfoot“ steht angeblich bislang unveröffentlichtes Filmmaterial auf einer 16mm-Rolle, das über Jahrzehnte in einem Safe gelagert worden sein soll. (Schon dieses filmreife Szenario erweckt nicht nur bei Verfechtern des Originals zumindest leise Zweifel.) Diese Aufnahmen sollen nun angeblich die Proben für die spätere berühmte Bigfoot-Szene zeigen.

Was zunächst gerade für Laien wie eine eindeutige Situation erscheinen mag, ist in Wirklichkeit deutlich komplizierter. Zum einen stellt sich die Frage nach der Authentizität dieser angeblichen „Probeaufnahmen“ selbst – nicht zuletzt vor dem Hintergrund moderner, leistungsfähiger KI-Technologien. Zum anderen ist unklar, wie diese Aufnahmen tatsächlich zu datieren sind.

Und schließlich bleibt – solange die Dokumentation nicht öffentlich zugänglich ist – auch offen, wie stark das in den Proben verwendete Kostüm und seine Eigenschaften überhaupt dem „Wesen“ im bekannten Patterson-Gimlin-Film ähneln.

Der Grund, warum diese Fragen für einer Bewertung des Patterson-Gimlin-Streifens selbst so grundlegend wichtig sind, ist der nur beiläufig an Bigfoot interessierten Öffentlichkeit meist nicht bekannt: Es ist und war unter Krpytozoologen noch nie ein Geheimnis, dass Roger Patterson und Bob Gimlin, als ihnen angeblich die „echten“ Aufnahmen des Wesens gelangen, dabei waren, selbst eine Dokumentation über den Bigfoot-Mythos zu drehen. Für diese Dokumentation sollte ursprünglich (wie bei vielen anderen Bigfoot-Dokus auch…) denn auch ein „Mann im Kostüm“ zum Einsatz kommen, um andere Berichte von Augenzeugen nachzustellen und zu illustrieren. Während der Dreharbeiten zu dieser Doku soll den beiden dann (auch dies mag Skeptikern unwahrscheinlich klingen) das bekannte Bigfoot-Weibchen vor die sprichwörtliche Linse gelaufen sein.

Die berühmte Originalaufnahme von 1967

„Capturing Bigfoot“ müsste also in der Lage sein, eindeutig zu belegen, dass die nun erstmals gezeigten angeblichen „Probeaufnahmen“ aus der Zeit „vor“ der berühmten Bigfoot-Szene stammen und zudem die Qualität des verwendeten Kostüms mit den Merkmalen des „Wesens“ im Patterson-Gimlin-Film übereinstimmen. Hierzu müsste das Originalfilmmaterial zudem auch unabhängigen Experten zur Analyse und Begutachtung vorgelegt werden. Bislang – so bekannt – fand dies alles nicht statt.

Darüber hinaus soll die Dokumentation auch Aussagen enthalten, die den Schwindel bestätigen. Darunter angeblich ein Eingeständnis des Sohnes des bereits 1972 verstorbenen Roger Patterson, Clint Patterson. Ob und wie belastbar diese Aussage ist, bleibt ebenso abzuwarten wie Antworten auf zahlreiche Gerüchte, die sich seit der Premiere um den Film und seine Macher zu entwickeln scheinen: So berichtet etwa der Regisseur der Dokumentation, Marq Evans, dass sein Vater früher für „Al DeAtley“ gearbeitet habe – den Schwager von Roger Patterson und angeblich jene Person sei, die im  Bigfoot-Kostüm der „Probenaufnahmen“ stecken soll. Jahre später sei ihm dann – gänzlich unabhängig davon (!) – das bislang unbekannte Filmmaterial von einem Kollegen zugespielt worden. Auch diese Kette von Zufällen wirft für einige Beobachter zumindest Fragen auf.

„Sollte sich eine nachvollziehbare Herkunft des Materials belegen lassen und eine unabhängige Analyse dessen Echtheit bestätigen, könnte der Patterson-Gimlin-Film endgültig als Fälschung gelten – und damit in eine Reihe klassischer Schwindel eingeordnet werden“, kommetiert Greg Taylor von DailyGrail.com. „Gleichzeitig würde selbst eine Entlarvung des Films nicht zwangsläufig das gesamte Bigfoot-Phänomen widerlegen. Vielmehr würde eines der bekanntesten ‚Beweisstücke‘ wegfallen, während die grundsätzliche Frage nach der Existenz eines solchen Wesens offenbliebe. Bis belastbare Belege vorliegen, bleibt die Situation jedoch unklar. Zwischen möglicher Sensation und möglicher Täuschung ist derzeit alles offen.“

Auch GreWi kann und wird erst dann wieder in der Sache berichten, wenn „Capturing Bigfoot“ allgemein veröffentlicht wurde und Expertenmeinungen dazu vorliegen.

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GreWi-Spezial: 50 Jahre kontroverser Filmbeweis für Bigfoot 21. Oktober 2017

Recherchequelle: DailyGrail.com, eigene Recherchen grewi.de

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