Prä-Sputnik Transienten: Weitere historische Himmelsaufnahmen liefern neue Hinweise

Geschrieben am 24.03.2026
von Andreas Müller

Cockeysville (USA) – Eine weitere unabhängige Untersuchung historischer Fotoplatten astronomischer Himmelsdurchmusterungen hat auf diesen Lichtpunkte entdeckt, die auf Aufnahmen des gleichen Himmelsausschnitts unmittelbar davor und danach nicht mehr zu sehen sind. Die Studie selbst sieht darin eine direkte Bestätigung früherer Entdeckungen durch die schwedische Astronomin Dr. Beatriz Villarroel, deren Fachartikel Debatten über astronomische UFO-Beweise ausgelöst hatten.

Beispiel für einen Transienten-Kandidaten in Aufnahmen der Hamburger Archives of Photographic PLates for Astronomical USE (APPLAUSE)Copyright/Quelle: Busko, ArXiv.org 2026
Beispiel für einen Transienten-Kandidaten in Aufnahmen der Hamburger Archives of Photographic PLates for Astronomical USE (APPLAUSE)
Copyright/Quelle: Busko, ArXiv.org 2026

Zuvor schon hatte ein Team um die schwedische Astronomin Dr. Beatrix Villarroel auf astronomischen Fotoplatten der historischen Himmelsdurchmusterungen des Palomar-Observatoriums und Pan-STARRS aus den frühen 1950er Jahren Lichtblitze nachgewiesen, die auf den unmittelbaren Aufnahmen des gleichen Himmelsfeldes zuvor und danach nicht mehr zu sehen sind. Zugleich konnten Villarroel, Kolleginnen und Kollegen zeigen, dass einige dieser sogenannten Transienten nicht nur mit irdischen Atombombentests sondern auch mit UFOSichtungswellen (etwa jener von 1952 über Washington D.C.) übereinstimmten. Nicht zuletzt der Umstand, dass Villarroels Studie in drei anerkannten Fachjournalen, darunter auch dem Nature-Fachjournal „Scientific Reports“ und den „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“ peer-reviewt veröffenticht wurden, sorgte für große Aufmerksamkeit nicht nur innerhalb UFO-interessierter Communites, sondern auch in den internationalen Medien und der Mainstream-Astronomie; sowie für Debatten darüber, ob es sich bei den Transienten sozusagen um astronomische Beweise für künstliche Objekte in der Erdumlaufbahn oder dem erdnahen Weltraum aus der Zeit noch vor dem ersten Satelliten (Sputnik-1) handelt.

Unabhängig von Villearroel hat sich der ehemalige NASA-Mitarbeiter Ivo Busko nun vergleichbaren historischen Himmelsaufnahmen aus den 1950er-Jahren angenommen und auch auf diesen ungewöhnliche, extrem kurzlebige Lichtphänomene entdeckt. Der Forscher hat die Ergebnisse dieser Analyse vorab via ArXiv.org veröffentlicht. Buskos Analyse basiert auf fotografischen Platten der Hamburger Sternwarte und liefert weitere Hinweise auf sogenannte „schnelle Transienten“ – rätselhafte Lichtblitze, die nur für Bruchteile einer Sekunde sichtbar sind. Die Ergebnisse könnten nicht nur astrophysikalisch relevant sein, sondern auch neue Fragen im Kontext der Suche nach technologischen Signaturen aufwerfen.

Suche in historischen Archiven

Im Zentrum der Untersuchung stehen digitalisierte Himmelsaufnahmen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Diese wurden ursprünglich mit einem 1,2-Meter-Schmidt-Teleskop aufgenommen und später im Rahmen eines Archivprojekts zugänglich gemacht. Busko analysierte gezielt Bildpaare, die denselben Himmelsausschnitt zeigen und im Abstand von etwa 30 Minuten aufgenommen wurden. Ziel war es, Objekte zu identifizieren, die nur auf einer Aufnahme erscheinen, auf der anderen jedoch fehlen. Solche „verschwindenden Quellen“ gelten als mögliche Kandidaten für kurzlebige Transienten. Insgesamt konnten geeignete Datensätze aus mehreren Dutzend Platten zusammengestellt werden, die vor dem Start des ersten künstlichen Satelliten im Jahr 1957 aufgenommen wurden.

Die Methode unterscheidet sich bewusst von früheren Ansätzen: Statt externe Sternkataloge als Referenz zu nutzen, vergleich der Forscher ausschließlich direkt die Objekte auf den Platten selbst. Dadurch sollen systematische Fehler reduziert und neue, bislang übersehene Phänomene sichtbar gemacht werden.

Hinweise auf subsekundenschnelle Lichtblitze

Die Analyse zeigt, dass einige der identifizierten Objekte ungewöhnliche Eigenschaften besitzen. Insbesondere weisen sie eine auffallend schmale Lichtverteilung auf, die sich deutlich von normalen Sternabbildungen unterscheidet. Dieses Merkmal deutet darauf hin, dass es sich nicht um klassische astrophysikalische Quellen handelt.

Stattdessen interpretiert Busko die Signale als extrem kurze Lichtblitze – sogenannte subsekundäre Transienten. Eine mögliche Erklärung sind Reflexionen von Sonnenlicht an flachen, rotierenden Objekten in der Nähe der Erde. Solche Reflexionen könnten für kurze Zeit aufleuchten und anschließend wieder verschwinden.

Bemerkenswert ist dabei der historische Kontext: Die untersuchten Aufnahmen stammen aus einer Zeit vor dem Beginn der irdischen Raumfahrt. Sollte die Interpretation zutreffen, müssten entsprechende Objekte bereits vor dem Start des ersten Satelliten existiert haben – was auch diese Phänomene besonders erklärungsbedürftig macht.

Verbindung zu früheren Studien

Durch die unabhängige Analyse des Hamburger Archivs (Archives of Photographic PLates for Astronomical USE, APPLAUSE) gewinnen auch Villarroels Beobachtungen zusätzliches Gewicht. Die Übereinstimmung der Eigenschaften – insbesondere die charakteristischen Lichtprofile – sprechen laut Busko dafür, dass es sich um reale, reproduzierbare Phänomene handelt und nicht um Artefakte der jeweiligen Daten.

Gleichzeitig betont der Forscher aber auch, dass die Ergebnisse noch vorläufig sind. Die aktuelle Studie dient vor allem dazu, Methoden zu entwickeln und erste Kandidaten zu identifizieren. In zukünftigen Arbeiten sollen deutlich größere Datensätze analysiert werden, darunter auch Aufnahmen aus unterschiedlichen Nächten.

Neue Fragen für Astronomie und SETI

Die Entdeckung wirft grundlegende Fragen auf: Handelt es sich bei den entdeckten Transienten um bislang unbekannte natürliche bzw. astronomische Phänomene, um fototechnische Artefakten und Fehler, oder könnten die Signale tatsächlich auf künstliche Objekte hindeuten? Letztere Interpretation wird vorsichtig diskutiert, da die Eigenschaften der Lichtblitze mit reflektierenden, rotierenden Strukturen vereinbar wären.

Sollten sich diese Hinweise bestätigen, könnte dies auch für die Suche nach außerirdischer Intelligenz (SETI) von Bedeutung sein. Gleichzeitig bleibt jedoch offen, ob alternative, konventionelle Erklärungen gefunden werden können.

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Recherchequelle: ArXiv.org

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