Yokosuka (Japan) – Neue Analysen von Proben des Asteroiden Ryugu zeigen, dass diese sämtliche grundlegenden Bausteine der Erbmoleküle DNA und RNA enthalten. Die Entdeckung liefert weitere Hinweise darauf, dass wichtige chemische Voraussetzungen für die Entstehung von Leben möglicherweise schon früh im Sonnensystem verbreitet waren.

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Entnommen wurden die Gesteinsproben von der 2014 gestarteten japanischen Raumsonde „Hayabusa2“ von dem etwa 900 Meter großen Asteroiden und 2020 zurück zur Erde gebracht. Die wenigen Gramm an Proben liefern sie wertvolle Hinweise auf die chemische Zusammensetzung früher Asteroiden.
Bausteine des Lebens im All
Schon schon frühere Untersuchungen der Ryugu-Proben hatten gezeigt, dass diese Uracil enthalten (…GreWi berichtete, siehe Links u.) – eine der vier Basen, aus denen RNA aufgebaut ist. Wie das Team um Toshiki Koga von der japanischen Behörde für Meeres- und Erdwissenschaften (JAMSTEC) aktuell im Fachjournal „Nature Astronomy“ (DOI: 10.1038/s41550-026-02791-z) nun berichten, konnten sie mittlerweile alle fünf sogenannten Nukleobasen nachzuweisen, die für DNA und RNA erforderlich sind. Neben Uracil wurden auch Adenin, Guanin, Cytosin und Thymin identifiziert. Damit enthält das Material vom Asteroiden sämtliche grundlegenden molekularen Bausteine, die für die genetischen Informationssysteme des Lebens notwendig sind.
Allerdings betonen die Forschenden, dass dieser Nachweis nicht bedeutet, dass auf dem Asteroiden selbst Leben existiert hat. Vielmehr zeige der Fund, dass primitive Asteroiden offenbar in der Lage sind, organische Moleküle zu erzeugen und über lange Zeiträume zu bewahren. Diese könnten in der Frühzeit des Sonnensystems auf junge Planeten gelangt sein.
Eine seit Jahrzehnten diskutierte Hypothese besagt, dass ein Teil der grundlegenden chemischen Zutaten für das Leben auf der Erde durch Asteroiden oder Meteoriten geliefert wurde. Einschläge solcher Himmelskörper könnten demnach wichtige organische Moleküle auf die junge Erde gebracht haben.
Hinweise auf weit verbreitete organische Chemie
Die neuen Ergebnisse passen zu ähnlichen Entdeckungen in anderen kosmischen Proben. So wurden vergleichbare Moleküle auch im Material des Asteroiden Bennu gefunden, das von der NASA-Mission OSIRIS-REx zur Erde gebracht wurde (…GreWi berichtete).
Darüber hinaus wurden entsprechende Nukleobasen bereits in bekannten Meteoriten wie dem Murchison-Meteoriten und dem Orgueil-Meteoriten nachgewiesen. Diese Gesteine gelten als Bruchstücke kohlenstoffreicher Asteroiden, die einst auf die Erde stürzten.
Nach Ansicht der Forschenden um XX deutet die Kombination dieser Funde darauf hin, dass solche organischen Moleküle im Sonnensystem relativ weit verbreitet sein könnten. Damit würde sich die Vorstellung stärken, dass Asteroiden zur chemischen Ausgangsausstattung der frühen Erde beigetragen haben.
Gleichzeitig warnen Wissenschaftler davor, daraus voreilig abzuleiten, dass Leben selbst im Weltraum entstanden sei. Vielmehr zeigen die Ergebnisse, welche organischen Moleküle unter sogenannten präbiotischen Bedingungen – also vor der Entstehung von Leben – entstehen können.

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Rätsel um Ammoniak-Zusammenhang
Besonders interessant ist für die Forscher ein weiterer Befund der Studie. Beim Vergleich verschiedener Weltraumgesteine stellten sie fest, dass das Verhältnis der Nukleobasen offenbar mit der Konzentration von Ammoniak zusammenhängt – einer chemischen Verbindung, die ebenfalls eine wichtige Rolle in der präbiotischen Chemie spielt. Ein solcher Zusammenhang war bislang nicht vorhergesagt worden. Deshalb könnte er auf einen bislang unbekannten chemischen Bildungsprozess hinweisen, der in den Materialien des frühen Sonnensystems ablief. Die Entdeckung gilt unter Fachleuten als bemerkenswert, weil sie neue Hinweise darauf liefern könnte, wie biologisch relevante Moleküle ursprünglich entstanden sind.
Zusammen mit den Bennu-Proben zeichnet sich damit ein immer klareres Bild ab: Bereits in den frühen Asteroiden des Sonnensystems existierte offenbar eine vielfältige organische Chemie. Diese könnte eine entscheidende Rolle dabei gespielt haben, dass sich auf der jungen Erde schließlich die ersten Lebensformen entwickeln konnten.
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Recherchequelle: Nature Astronomy
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