Sensationsfund in Mexiko: Elitegrab der „Wolkenmenschen“ entdeckt

Geschrieben am 29.01.2026
von Andreas Müller

Oaxaca (Mexiko) – In Mexiko wurde ein selten hervorragend erhaltenes zapotekisches Grab aus dem Jahr 600 n. Chr. freigelegt. Archäologen bezeichnen den Fund als bedeutendste archäologische Entdeckung des Landes seit mehr als zehn Jahren. Der Fund liefert neue, detaillierte Einblicke in Ritualpraxis, Machtstrukturen und Weltbild einer der rätselhaftesten Hochkulturen Mesoamerikas.

Detailansicht der Maske (vermutlich des hier Bestatteten) über dem Eingang zum Grab.Quelle/Copyright: Luis Gerardo Peña Torres / INAH
Detailansicht der Maske (vermutlich des hier Bestatteten) über dem Eingang zum Grab.
Quelle/Copyright: Luis Gerardo Peña Torres / INAH

Wie das Nationale Institut für Anthropologie und Geschichte (INAH) berichtet, befindet sich die Anlage auf dem Cerro de la Cantera nahe San Pablo Huitzo. Bekanntgegeben wurde die Entdeckung auf der morgendlichen Regierungspressekonferenz der mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum. Sie hob insbesondere den außergewöhnlichen Erhaltungszustand sowie den hohen Informationsgehalt der Anlage hervor, die als kulturhistorisch herausragend eingestuft wird.

Ein Grab als Spiegel zapotekischer Macht und Jenseitsvorstellungen

Bei dem Grab handelt es sich offenbar um die Ruhestätte eines hochrangigen zapotekischen Würdenträgers der Zapoteken. Architektur, Skulpturenschmuck und Wandmalerei deuten auf eine gezielte Inszenierung von Status, Ahnenverehrung und religiöser Autorität hin. Bereits der Zugang ist symbolisch aufgeladen: Eine steinerne Eule, die in der zapotekischen Kosmovision als Zeichen von Nacht, Tod und Übergang gilt, markiert den Eingang zur Vorkammer. Ihr Schnabel bedeckt das bemalte Gesicht eines Mannes, der als vergöttlichter Ahne oder Stammesvater interpretiert wird.

Der Durchgang zur Grabkammer wird von figürlichen Darstellungen eines Mannes und einer Frau flankiert, möglicherweise Wächter oder rituelle Begleiter. Über ihnen befindet sich ein Fries aus Steinplatten mit eingravierten Kalendernamen – ein deutlicher Hinweis auf die Bedeutung von Zeitzyklen, Genealogie und kosmischer Ordnung im zapotekischen Denken.

Weitere Ansichten der Grabanlage.Quelle/Copyright: Luis Gerardo Peña Torres / INAH
Weitere Ansichten der Grabanlage.
Quelle/Copyright: Luis Gerardo Peña Torres / INAH

Im Inneren der Grabkammer fanden sich großflächige Wandmalereien in Ocker-, Rot-, Blau-, Grün- und Weißtönen. Sie zeigen eine Prozession von Figuren, die Beutel mit Kopalharz tragen – ein Räucherwerk, das bei Zeremonien zur Kontaktaufnahme mit Göttern und Ahnen verwendet wurde. Die Szene legt nahe, dass das Grab über Generationen hinweg rituell aufgesucht wurde.

Hintergrund: Die Zapoteken – „Wolkenmenschen“ einer alten Hochkultur
Die Zapoteken zählen zu den ältesten Hochkulturen Mesoamerikas. Ihr kulturelles Zentrum lag in Oaxaca, mit Monte Albán als politischem und religiösem Kern. In ihren eigenen Überlieferungen bezeichneten sie sich als „Be’ena’a zaa“ oder „Peni zaa“, was meist mit „Wolkenmenschen“ übersetzt wird. Dieser Begriff verweist weniger auf einen mythologischen Ursprung als auf ihre enge Verbindung zu den Bergen, dem Himmel und den göttlichen Kräften, die man in höheren Lagen verortete.

Die zapotekische Gesellschaft war streng hierarchisch organisiert. Eine religiös legitimierte Elite kontrollierte Kalenderwissen, Schrift, Rituale und politische Macht. Schriftliche Zeichen, astronomische Zyklen und Bestattungspraktiken waren eng miteinander verknüpft. Gräber wie das nun entdeckte fungierten nicht nur als Ruhestätten, sondern als Schnittstellen zwischen Lebenden, Ahnen und Göttern.

Der Fund bestätigt zudem, dass die Zapoteken über ein ausgeprägtes ikonografisches System verfügten, mit dem soziale Rollen, Jenseitsvorstellungen und politische Legitimation visuell kodiert wurden. Die Kombination aus Malerei, Skulptur und Architektur deutet auf spezialisierte Künstler und eine zentrale Planung hin.

Konservierung und Forschung unter Zeitdruck

Ein interdisziplinäres Team des INAH arbeitet derzeit an der Sicherung und Erforschung der Anlage. Besonders die Wandmalereien gelten als gefährdet, da Wurzeln, Insektenbefall und Klimaschwankungen bereits Schäden verursacht haben. Parallel laufen keramische, epigrafische und anthropologische Untersuchungen, um Alter, Status und rituelle Nutzung des Grabes genauer zu bestimmen.

Der Fund könnte das bisherige Bild dieser Kultur präzisieren – und zugleich zeigen, wie eng Macht, Religion und Jenseitsglaube bei den selbsternannten „Wolkenmenschen“ miteinander verwoben waren.

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Quelle: INAH

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