Toowoomba (Australien) – In den Archivdaten des NASA-Weltraumteleskops „Kepler“ haben Astronomen Hinweise auf einen nur 146 Lichtjahre entfernten Exoplaneten entdeckt, der in vielerlei Hinsicht unserem Heimatplaneten ähnelt – mit einem entscheidenden Unterschied: Er könnte kälter sein als der stets gefrorene Mars.

Copyright/Quelle: NASA/JPL-Caltech/Keith Miller (Caltech/IPAC)
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Wie das Team um Alexander Venner von der University of Southern Queensland, aktuell im Fachjournal „Astrophysical Journal Letters“ (DOI: 10.3847/2041-8213/adf06f) berichten, umkreist der Planetenkandidat einen sonnenähnlichen Stern „HD 137010“. Die nachträgliche Entdeckung der Signale des Planeten aus der zweiten Missionsphase (K2) zeigen einmal mehr, dass selbst bereits abgeschlossene Raumfahrtmissionen wissenschaftlich längst nicht ausgeschöpft sind.
Ein erdgroßer Planet am Rand der habitablen Zone
Auf der Grundlage der bisherigen Daten ist der Planet mit der Bezeichnung „HD 137010 b“ ist vermutlich ein Felsplanet, der etwas größer ist als die Erde. Besonders bemerkenswert ist seine Umlaufbahn, denn diese ähnelt der der Erde und dürfte den Planeten innerhalb etwa eines Erdenjahres um seinen Stern führen. Damit bewegt sich „HD 137010 b“ in einem Bereich, der grundsätzlich flüssiges Wasser ermöglichen könnte – zumindest theoretisch.
Obwohl auch das Zentralgestirn (HD 137010) zwar unserer Sonne ähnelt, ist dieser jedoch etwas kühler und lichtschwächer. Dadurch erhält der Planet weniger als ein Drittel der Sonnenstrahlung als die Erde. Das wiederum hätte gravierende Folgen für das Klima auf dem Planeten. Modellrechnungen deuten auf eine mögliche Oberflächentemperatur von bis zu minus 68 Grad Celsius hin und damit auf Bedingungen, die sogar kälter wären als auf dem Mars.
Trotzdem ist der Fund aus astronomischer Sicht außergewöhnlich. Sollte sich der Kandidat bestätigen, wäre „HD 137010 b“ einer der wenigen bekannten erdähnlichen Planeten mit erdähnlicher Umlaufzeit um einen relativ nahen und hellen Stern. Das macht ihn prinzipiell interessant für spätere, detailliertere Untersuchungen.
Ein einzelner Transit – und viele offene Fragen
Die Entdeckung basiert bislang auf nur einem einzigen beobachteten Transit: einem Durchgang des Planeten vor seinem Stern, bei dem das Sternenlicht minimal abgeschwächt wird. Solche Transits gelten als eine der zuverlässigsten Methoden zur Exoplaneten-Suche, erfordern jedoch normalerweise mehrere Wiederholungen, um Fehlinterpretationen auszuschließen.
Im Fall von „HD 137010 b“ dauerte der beobachtete Transit rund zehn Stunden – etwas kürzer als bei der Erde. Anhand dieser Dauer und der Eigenschaften des Sterns konnten die Forschenden die Umlaufbahn abschätzen. Doch ohne weitere Transits bleibt ein Restrisiko, dass es sich um ein anderes astrophysikalisches Phänomen handelt.
Weitere Bestätigungen sind schwierig, da der lange Umlaufzeitraum bedeutet, dass Transits selten auftreten. Dennoch hoffen die Forschenden auf Beobachtungen durch laufende oder kommende Missionen wie TESS oder CHEOPS. Sollte dies nicht gelingen, könnte die endgültige Klärung erst mit einer nächsten Generation leistungsfähiger Weltraumteleskope erfolgen.
Eiswelt oder doch lebensfreundlich?
Trotz der extrem niedrigen Temperaturannahmen schließen die Forschenden eine potenzielle Lebensfreundlichkeit nicht vollständig aus. Entscheidend wäre die Atmosphäre des Planeten. Ein hoher Anteil an Kohlendioxid könnte einen starken Treibhauseffekt erzeugen und die Oberfläche deutlich erwärmen. Modellrechnungen zufolge besteht eine rund 40-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass „HD 137010 b“ innerhalb der sogenannten konservativen habitablen Zone liegt. Zählt man großzügigere Annahmen hinzu, steigt diese Wahrscheinlichkeit sogar auf über 50 Prozent.
Gleichzeitig bleibt aber auch etwa eine ebenso hohe Chance, dass der Planet doch jenseits jeder habitablen Zone liegt. Dann würde es sich um eine gefrorene, lebensfeindliche Welt ohne flüssiges Wasser handeln. Ob HD 137010 b nun eine „Eis-Erde“, eine eingefrorene Ödnis oder doch ein überraschend lebensfreundlicher Planet ist, bleibt also noch offen.
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Quelle: NASA
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