London (Großbritannien) – Neue Beobachtungen und Messungen des Mars-Rovers Perseverance liefern Hinweise auf einen urzeitlichen Mars-Strand und damit auf langanhaltende lebensfreundliche Bedingungen im Jezero-Krater.

Copyright: NASA
Inhalt
Wie das Team um HHH vom Imperial College London aktuell im „Journal of Geophysical Research: Planets“ (DOI: 10.1029/2025je009111) berichten liefern die neuen Ergebnisse damit auch einen weiteren, spektakulären Baustein zur Beantwortung der Frage nach der früheren Bewohnbarkeit des Roten Planeten.
Die Entdeckung deutet darauf hin, dass es am Arbeitsort des NASA-Rovers deutlich länger oberflächennahe, stabile Wasservorkommen existierten als bislang angenommen – ein entscheidender Faktor für mögliche frühe Lebensformen auf dem Mars.
Die Studie basiert auf detaillierten Bild- und Gesteinsanalysen, die Perseverance zwischen 2023 und 2024 im sogenannten „Margin Unit“ durchgeführt hat.
Ein lange umstrittenes Gesteinspaket
Der Jezero-Krater beherbergte vor rund 3,5 Milliarden Jahren einen ausgedehnten See, der von einem Flusssystem gespeist wurd. Im Fokus der Forschung stand dabei seit Jahren die karbonatreiche „Margin Unit“, die den inneren Rand des Kraters säumt. Karbonate entstehen durch Wechselwirkungen zwischen Gestein und flüssigem Wasser und gelten als besonders geeignet, organische Spuren über geologische Zeiträume hinweg zu konservieren.
Bislang war jedoch unklar, wie dieses Gestein entstanden ist. Während einige Forschende von einem rein sedimentären Ursprung ausgingen, vermuteten andere, dass es sich um magmatisches Gestein handelt, das später durch Wasser verändert wurde. Die neuen Daten zeigen nun: Beide Annahmen sind teilweise richtig.
Wasser wirkte tief unter der Oberfläche
Hochauflösende Aufnahmen auf Aufschluss- und Kornskala belegen, dass große Teile des Margin Unit ursprünglich aus erstarrtem Magma stammen, vermutlich aus einer großen Magmakammer oder einem Lavasee im Kraterinneren. Nach dem Abkühlen wurde dieses Gestein über lange Zeiträume hinweg von kohlendioxidreichem Grundwasser durchströmt.
Dabei wandelten sich Olivin-Kristalle in Eisen- und Magnesiumkarbonate um. Solche Prozesse sind auf der Erde typisch für hydrothermale Systeme im Untergrund, die als potenziell lebensfreundliche Umgebungen gelten. Die Forschenden sehen darin einen klaren Hinweis auf langanhaltende Wasser-Gesteins-Wechselwirkungen tief unter der Marsoberfläche.
Ein Strand aus Sand und Wellen
Die bislang wichtigste Entdeckung machten die Wissenschaftler jedoch in tiefer gelegenen Bereichen der Margin Unit. Dort fanden sich geschichtete Sandsteine mit abgerundeten, sandgroßen Körnern aus Olivin und Karbonat. Die Struktur dieser Sedimente entspricht klassischen Merkmalen von durch Wellen geformten Ablagerungen.
Nach Einschätzung des Teams handelt es sich dabei um die Überreste eines ehemaligen Seeufers – also eines echten Strandes. Die Wellen des Jezero-Sees hätten das lokale Gestein erodiert, die Körner abgerundet und als Sandschichten entlang der Küstenlinie abgelagert. Besonders aufschlussreich: Dieser Strand liegt stratigraphisch unterhalb des bekannten Flussdeltas im Krater.
Lebensfreundliche Bedingungen früher als gedacht
Die Lage des Strandes deutet darauf hin, dass ruhige, stabile Seebedingungen, wie sie für Leben günstig wären, bereits existierten, bevor das Flusssystem sein Delta in den Krater eintrug. Damit verschiebt sich das Zeitfenster möglicher Lebensfreundlichkeit weiter in die Vergangenheit zurück.
Diese Ergebnisse ergänzen frühere Arbeiten desselben Teams, die Hinweise auf einen späteren, aufgestauten See im Einzugsgebiet des Jezero-Flusses geliefert hatten. Dort wurden überraschend mächtige Tonsteinschichten entdeckt, die auf ein weiteres, länger bestehendes Gewässer hindeuten.
Zusammengenommen zeichnen die neuen Daten das Bild eines komplexen Wassersystems, das sich über lange Zeiträume und in wechselnden Konfigurationen gehalten hat.
Proben warten auf die Rückkehr zur Erde
Besonders große Hoffnungen ruhen nun auf den Gesteinsproben, die Perseverance bereits entnommen hat. Drei Kerne aus der Margin Unit sowie eine Probe aus der sogenannten „Bright Angel“-Formation sollen im Rahmen der geplanten – aber zuletzt infrage gestellten (https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de/nasa-haushalt-stoppt-mars-sample-return-ruecktransport-von-mars-bodenproben-vor-dem-aus/) – „Mars Sample Return Mission“ zur Erde gebracht werden.
Im Labor könnten diese Proben präzise datiert, ihre chemische Zusammensetzung detailliert analysiert und gezielt nach möglichen Biosignaturen untersucht werden. Damit ließe sich erstmals eindeutig klären, wann genau die verschiedenen Wasserphasen im Jezero-Krater stattfanden – und ob sie Spuren früher biologischer Aktivität bewahrt haben.
Nach Ansicht der Forschenden bestätigt die Entdeckung einmal mehr die Wahl des Jezero-Kraters als Landeplatz für Perseverance. Kaum ein anderer Ort auf dem Mars vereint Hinweise auf Oberflächengewässer, unterirdische Wasseraktivität und gute Erhaltungsbedingungen für mögliche Lebensspuren in vergleichbarer Weise.
Ob der Mars tatsächlich einst belebt war, bleibt weiterhin offen. Doch mit jedem neuen Fund wird klarer: Die Voraussetzungen dafür waren zumindest über lange Zeiträume gegeben.
WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Neue Studie: Mars war einst zur Hälfte von einem Ozean bedeckt 13. Januar 2026
Unterirdischer Mars-See: Vermutlich doch kein Wasser 28. November 2025
Mögliche geschützte Lebensräume: Von Wasser geformte Höhlen auf dem Mars entdeckt 13. November 2025
Auch Spuren von einfachem Mars-Leben könnten sich im Eis erhalten haben 16. Oktober 2025
Chinesischer Rover findet Hinweise auf einstige „Urlaubsstrände“ auf dem Mars 26. Februar 2025
Quelle: Imperial College London
© grenzwissenschaft-aktuell.de

