Neue Studie: Mars war einst zur Hälfte von einem Ozean bedeckt

Geschrieben am 13.01.2026
von Andreas Müller

Bern (Schweiz) – Heute ein kalter und trockener Wüstenplanet, könnte der Mars vor rund drei Milliarden Jahren ein völlig anderes Gesicht gehabt haben. Eine neue internationale Studie unter Leitung der Universität Bern kommt zu dem Schluss, dass große Teile des Roten Planeten einst von einem Ozean bedeckt waren.

Grafische Datendarstellung der Delta-Ablagerungen mit der frühzeitlichen KüstenlinieQuelle: ESA/ExoMars – TGO, CaSSIS/ Ignatius Argadestya
Grafische Datendarstellung der Delta-Ablagerungen mit der frühzeitlichen Küstenlinie
Quelle: ESA/ExoMars – TGO, CaSSIS/ Ignatius Argadestya

Wie das Team um Ignatius Argadestya, Doktorand am Institut für Geologie und am Physikalischen Institut der Universität Bern aktuell im Nature-Fachjournal „NPJ Space Exploration“ (DOI: 10.1038/s44453-025-00015-8) berichten, basiert die Studie auf der Analyse neu identifizierter geomorphologischer Strukturen auf der Marsoberfläche, die klassischen Flussdeltas auf der Erde stark ähneln und auf eine ausgedehnte Küstenlinie hindeuten.

Im Zentrum der Untersuchung steht Valles Marineris, das größte bekannte Canyonsystem im Sonnensystem, das sich entlang des Marsäquators erstreckt. Bereits frühere Forschungen hatten Hinweise darauf geliefert, dass hier einst Wasser geflossen sein könnte. Nun liefern hochauflösende Satellitenbilder erstmals klare Belege dafür, dass Flüsse ihre Sedimente in ein großes stehendes Gewässer eingetragen haben – ein starkes Indiz für die Existenz eines Ozeans.

Für die Studie wertete das Forschungsteam Bilder mehrerer Mars-Orbiter aus, darunter die von der Universität Bern entwickelte Farbkamera CaSSIS an Bord des „ExoMars Trace Gas Orbiter“ der ESA sowie Daten er Missionen „Mars Express“ und des „Mars Reconnaissance Orbiter“ (MRO). Der Fokus lag auf dem Südostbereich des Coprates Chasma, einem Teil der Valles Marineris, wo die Forschenden auffällige Ablagerungsformen kartierten.

Urzeitliche Delta und Küstenlinien

Diese sogenannten „Scarp-Fronted Deposits“ werden als Fan-Deltas interpretiert – fächerförmige Sedimentkörper, wie sie entstehen, wenn ein Fluss direkt in ein stehendes Gewässer mündet. Solche Strukturen sind von den Küstenregionen der Erde gut bekannt. Ihre Existenz auf dem Mars gilt daher als eindeutiger Hinweis auf einen früheren Ozean und einen stabilen Meeresspiegel.

Besonders bemerkenswert ist die rekonstruierte Größe dieses Ozeans. Nach Angaben der Forschenden war er mindestens so ausgedehnt wie der heutige Arktische Ozean der Erde und erstreckte sich über weite Teile der nördlichen Marshemisphäre. Frühere Hypothesen zur Existenz eines Mars-Ozeans stützten sich meist auf indirekte Indizien oder gröbere Datensätze. Die neue Studie basiert hingegen auf detaillierten Geländestrukturen, die mithilfe hochauflösender Bilddaten präzise vermessen werden konnten.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Meeresspiegel dieses Ozeans der bislang höchste bekannte Wasserstand in der Geschichte des Mars gewesen sein könnte. Heute sind die ehemaligen Deltastrukturen größtenteils von Winden geformten Dünen überdeckt, ihre charakteristische Form ist jedoch noch immer deutlich erkennbar.

Die Entdeckung hat weitreichende Konsequenzen für das Verständnis der klimatischen und geologischen Entwicklung des Mars. Ein stabiler Ozean setzt nicht nur langanhaltendes flüssiges Wasser voraus, sondern auch ein vergleichsweise mildes Klima und eine dichtere Atmosphäre als heute. Damit rücken auch Fragen nach der früheren Bewohnbarkeit des Planeten erneut in den Fokus.

Ein einst blauer Mars

Flussdeltas gelten auf der Erde als besonders günstige Lebensräume, da sie Nährstoffe konzentrieren und stabile ökologische Nischen bieten. Ihre Existenz auf dem Mars legt nahe, dass dort einst Bedingungen herrschten, die zumindest mikrobielles Leben ermöglicht haben könnten. Die Studie stärkt damit die These, dass der Mars in seiner Frühzeit ein lebensfreundlicher „blauer Planet“ war.

Als nächsten Schritt wollen die Forschenden die mineralogische Zusammensetzung der identifizierten Ablagerungen genauer untersuchen. Ziel ist es, Hinweise auf chemische Verwitterungsprozesse und mögliche organische Spuren zu finden, die weitere Rückschlüsse auf Umweltbedingungen und potenzielle Lebensformen erlauben könnten.

Die neuen Ergebnisse zeigen eindrücklich, wie stark sich das Bild des Mars in den vergangenen Jahren gewandelt hat – von einer lebensfeindlichen Wüste hin zu einer Welt mit Ozeanen, Flüssen und möglicherweise günstigen Voraussetzungen für die Entstehung von Leben.

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Quelle: Universität Bern

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