Washington (USA) – Nach jahrelangen Verzögerungen, Kostenexplosionen und politischen Auseinandersetzungen steht eines der ambitioniertesten Projekte der modernen Planetenforschung und Raumfahrt offenbar vor dem endgültigen Aus: Der US-Kongress hat einen NASA-Haushalt verabschiedet, der keinerlei Mittel mehr für die Rückholung der vom Mars-Rover Perseverance gesammelten Gesteins- und Bodenproben vorsieht.

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Wie „TheDebrief.org“ berichtet, fehlt damit erstmals jede finanzielle Grundlage für das „Mars Sample Return-Programm“ (MSR) – einschließlich jener Proben, die Hinweise auf früheres außerirdisches Leben enthalten könnten.
Zwar steht die finale Abstimmung sowie die ratifizierende Unterschrift von US-Präsident Trump noch aus, doch aus NASA-Kreisen sei bereits deutlich zu hören, dass das Projekt faktisch beendet sei, so das Portal. Tatsächlich heißt es im aktuellen Haushaltskompromiss wörtlich: „Die Vereinbarung unterstützt das bestehende Mars Sample Return-Programm nicht.“ Damit folgt der Kongress den Vorgaben der Trump-Administration, die die notwendigen Mittel ausdrücklich aus dem Budget gestrichen sehen wollte.
Für Wissenschaft ist diese Entscheidung ein harter Schlag. Gegenüber „Science.com“ Victoria Hamilton, Planetenforscherin am Southwest Research Institute (SwRI) und Vorsitzende der „Mars Exploration Program Analysis Group“ der NASA, bezeichnete das Ende von MSR als „zutiefst enttäuschend“. Zugleich äußerte sie Zweifel an der Glaubwürdigkeit der offiziell verkündeten US-Ambitionen in der Raumfahrt: Wenn politische Leitlinien davon sprächen, die führende Macht im All zu sein, sei kaum nachvollziehbar, warum ausgerechnet ein Projekt dieses Kalibers aufgegeben werde.
Kostenexplosion als zentrales Argument
Das „Mars Sample Return“-Programm war von Beginn an technisch komplex und politisch umstritten: Schon vor dem Start von „Perseverance“ im Juli 2020 hatten Missionsplaner Schwierigkeiten, ein realistisches Rückholszenario zu entwerfen. Während der Rover seit 2021 dutzende sorgfältig ausgewählte Proben sammelte und in versiegelten Röhrchen auf dem Roten Planeten deponierte, stiegen die prognostizierten Kosten der Rückholmission kontinuierlich an. Bis 2024 beliefen sich die Schätzungen auf rund 11 Milliarden US-Dollar.
Angesichts dieses Preisschilds wuchs der Widerstand im Kongress. Kritiker verwiesen darauf, dass ein einzelnes Projekt einen unverhältnismäßig großen Anteil des gesamten NASA-Wissenschaftsbudgets binden würde, nicht zuletzt zulasten anderer Missionen. Als Reaktion präsentierte die NASA Anfang 2025 ein deutlich abgespecktes MSR-Konzept, das die Kosten wieder näher an die ursprünglich geplanten sieben Milliarden Dollar heranführen sollte. Doch selbst dieser reduzierte Ansatz fand offenbar keine politische Mehrheit mehr.
Hoffnungsschimmer trotz Streichung
Ganz vom Tisch ist das Thema Probenrückführung dennoch nicht. Der neue NASA-Wissenschaftshaushalt in Höhe von 7,25 Milliarden Dollar – rund ein Prozent weniger als im Vorjahr – sieht immerhin 110 Millionen Dollar für ein Programm namens „Mars Future Missions“ vor. Diese Mittel sollen in Schlüsseltechnologien fließen, die für eine spätere Rückholmission unverzichtbar wären, etwa verbesserte Landetechniken für den Abstieg durch die dünne Marsatmosphäre.
Zugleich könnten andere Forschungsprojekte profitieren, die bislang auf Eis lagen. Neue Erkenntnisse über potenzielle Ozeane unter den Eiskrusten der Jupitermonde Europa und Enceladus oder über rätselhafte chemische Prozesse in der Atmosphäre der Venus haben das Interesse an Missionen zu diesen Zielen neu entfacht. In der Summe verschiebt sich der Fokus der US-Planetenforschung damit offenbar weg vom Mars.
Was wird aus den Proben?
Besonders brisant ist die Entscheidung vor dem Hintergrund jüngster Entdeckungen des „Perseverance“-Rovers: 2024 identifizierten NASA-Forscher in einem ausgetrockneten Flussbett nahe dem Jezero-Krater sogenannte „Leopardenflecken“ mineralische Strukturen, die auf der Erde häufig durch mikrobielle Aktivität entstehen. Die entsprechende Probe gilt als einer der bislang vielversprechendsten Kandidaten für mögliche Biosignaturen auf dem Mars (…GreWi berichtete).
Bethany Ehlmann von der University of Colorado Boulder betonte gegenüber TheDebrief, dass nur Labore auf der Erde die nötige Präzision besitzen, um solche Hinweise zweifelsfrei zu untersuchen. Neben potenziellen Lebensspuren könnten die gesammelten Proben auch grundlegende Erkenntnisse zur geologischen Entwicklung des Mars liefern.

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Ohne Kurswechsel drohen diese wissenschaftlichen Schätze dauerhaft auf dem Mars zu verbleiben. Da „Perseverance“ seine Probenröhrchen nahezu vollständig gefüllt hat, wächst der Druck auf NASA und Politik, zumindest eine Perspektive für die Zukunft aufzuzeigen. „Wir müssen bald hören, dass gemeinsam mit der Fachgemeinschaft an einem neuen Plan gearbeitet wird“, so Hamilton. Andernfalls könnte eine der größten Chancen zur Klärung der Frage nach Leben jenseits der Erde ungenutzt verstreichen.
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Quellen: TheDebrief.org, Science, NASA
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