Studie zu Psi: Unterdrückt unser Gehirn übersinnliche Fähigkeiten?

Geschrieben am 20.03.2025
von Andreas Müller

Symbolbild: Telepathie (Illu.)Copyright: grewi.de (erstellt mit KI)
Symbolbild: Telepathie (Illu.)
Copyright: grewi.de (erstellt mit KI)

Toronto (Kanada) – Neurobiologen untersuchen derzeit ein neuartiges Modell, wonach das menschliche Gehirn als Hemmnis für Psi-Fähigkeiten wie Telepathie, Hellsehen, Präkognition oder Wechselwirkungen zwischen Geist und Materie) fungiert. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass die Frontallappen des Gehirns als Filter wirken könnten, um derartige Psi-Fähigkeiten des Menschen zu unterdrücken.

Das Kürzel „Psi“ steht für Phänomene wie Telepathie (geistige Verbindungen zwischen Personen), Hellsehen (Wahrnehmung entfernter Objekte oder Ereignisse), Präkognition (Wahrnehmung zukünftiger Ereignisse) und Geist-Materie-Interaktionen (das Bewegen von Objekten ohne physischen Kontakt, sog. Psychokinese). Die Debatte um solche Fähigkeiten währt schon lange. Einige Studien beanspruchten für sich, empirische Beweise für die Existenz von Psi erbracht zu haben. Andere zeigt sich skeptisch, weil die Effekte meist schwindend klein und schwer unter kontrollierten experimentellen Bedingungen zu reproduzieren sind.

Um diese Phänomene zu untersuchen, entwickelte das Team um den Leiter der Abteilung für Neurologie am Baycrest-Zentrum, Dr. Morris Freedman, vom Baycrest Health Sciences, unterstützt von der BIAL-Stiftung, im Rahmen ihres Forschungsprojekts „Projekt 210/18 – Geist-Materie-Interaktionen und die Frontallappen des Gehirns“ ein neuartiges neurobiologisches Modell auf der Grundlage der Hypothese, dass das Gehirn als Psi-hemmender Filter fungieren könnte. Mit anderen Worten: Menschen könnten angeborene Psi-Fähigkeiten besitzen, die jedoch durch diesen Filter im Frontallappen unterdrückt werden.

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Um diese Hypothese zu untersuchen, setzten Freedman Kolleginnen und Kollegen – Malcolm Binns, Jed Meltzer, Rohila Hashimi und Robert Chen – sogenannte repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) ein, um reversible Läsionen in der linken medialen mittleren Frontallappenregion gesunder Teilnehmer zu induzieren.

Anatomische Darstellung des Frontallappens (Illu.).Copyright/Quelle: Life Science Databases(LSDB)
Anatomische Darstellung des Frontallappens (Illu.).
Copyright/Quelle: Life Science Databases(LSDB)

Wie die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aktuell in einem online vorabveröffentlichten Artikel des Fachjournal „Cortex“(DOI: 10.1016/j.cortex.2023.10.016) unter dem Titel „Enhanced mind-matter interactions following rTMS induced frontal lobe inhibition (Erhöhte Geist-Materie-Interaktionen nach rTMS-induzierter Hemmung des Frontallappens)“ berichten, fanden sie einen „signifikanten Psi-Effekt“ nach der rTMS-Hemmung des linken medialen mittleren Frontallappens: „Gesunde Teilnehmer mit reversiblen, durch rTMS induzierten Läsionen in dieser Hirnregion zeigten stärkere Effekte in einer Geist-Materie-Interaktionsaufgabe als gesunde Teilnehmer ohne rTMS-induzierte Läsionen.“

Für die Autoren und Autorinnen stützen diese Ergebnisse das Konzept, laut dem das Gehirn als Filter fungiert, um Psi-Effekte zu blockieren. Dies könnte erklären, warum diese Effekte so klein und schwer zu reproduzieren sind.

„Diese Studie hat unsere Hypothese bestätigt“, sagt Freedman und fügt hinzu, dass „Personen mit neurologischen oder reversiblen, durch rTMS induzierten Frontallappenläsionen eine nützliche Gruppe für den Nachweis und die Replikation dieses Phänomens darstellen könnten“.

Für Freedman sind diese Erkenntnisse „potenziell bahnbrechend für unsere Sichtweise der Interaktionen zwischen Gehirn und scheinbar zufälligen Ereignissen“ und könnten „die Psi-Forschung erheblich voranbringen und dieses Phänomen in den Bereich der Mainstream-Wissenschaft führen“.

Recherchequellen: BIAL-Stiftung, Cortex

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