Bärtierchen nutzen fluoreszierenden Schutzschild gegen Strahlung

Geschrieben am 16.10.2020
von Andreas Müller

Lesezeit: ca. 2 Minuten Bengaluru (Indien) – Die mikroskopisch kleinen sogenannten Bärtierchen (Tardigraden) gehören zu den extremsten Überlebenskünstlern komplexen irdischen Lebens und können extreme Umweltbedingungen bis hin zum verstrahlen Weltraumvakuum überdauern. Indische Wissenschaftler haben nun eine weitere extreme Eigenschaft einer Tardigraden-Art entdeckt: Mit Hilfe eines fluoreszierenden Panzers absorbieren die Tiere ultraviolette Strahlung und schützen sich so gegen deren schädliche […]
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Ein unter UV-Bestrahlung fluoreszierendes Bärtierchen. Copyright: Eswarappa et al, Biol. Letters 2020

Ein unter UV-Bestrahlung fluoreszierendes Bärtierchen.

Copyright: Eswarappa et al, Biol. Letters 2020

Bengaluru (Indien) – Die mikroskopisch kleinen sogenannten Bärtierchen (Tardigraden) gehören zu den extremsten Überlebenskünstlern komplexen irdischen Lebens und können extreme Umweltbedingungen bis hin zum verstrahlen Weltraumvakuum überdauern. Indische Wissenschaftler haben nun eine weitere extreme Eigenschaft einer Tardigraden-Art entdeckt: Mit Hilfe eines fluoreszierenden Panzers absorbieren die Tiere ultraviolette Strahlung und schützen sich so gegen deren schädliche Wirkung.

Zu den beeindruckenden Überlebensstrategien der Bärtierchen gehört es unter anderem, in einer Art Dauerschlaf fast gänzlich auszutrocknen und so Jahrzehnte überdauern zu können. Entsprechend lang können die Tierchen denn auch ohne Sauerstoff und Flüssigkeit auskommen und immensen Druckverhältnissen widerstehen. Auf diese Weise können Bärtierchen nicht nur an den trockensten und sonnigsten Ort auf der Erde, sondern auch ungeschützt im All, etwa an der Bordaußenseite der Internationalen Raumstation (ISS) existieren und überdauern.

Im Vergleich: Ein unter UV-Licht stark fluoreszierendes Bärtierchen der Art „Paramacrobiotus BLR“ (o.) und ein Vergleichstier der Art „Hypsibius exemplaris“ (u.). Copyright: Eswarappa et al, Biol. Letters 2020

Im Vergleich: Ein unter UV-Licht stark fluoreszierendes Bärtierchen der Art „Paramacrobiotus BLR“ (o.) und ein Vergleichstier der Art „Hypsibius exemplaris“ (u.).

Copyright: Eswarappa et al, Biol. Letters 2020

Wie das Team um Dr. Sandeep Eswarappa vom Indian Institute of Science aktuell im Fachjournal „Biology Letters“ (DOI: 10.1098/rsbl.2020.0391) berichtet, haben sie nun einen weiteren Schutzmechanismus von Bärtierchen entdeckt, durch den sich Tardigraden vor potentiell tödlicher UV-Strahlung schützen. Hierzu erzeugen besagte Tardigraden eine fluoreszierende Substanz, die entsprechende Strahlung absorbiert und zugleich deren Energie in Form eines blau-fluorezierenden Leuchtens abgibt.

Die derart fluoreszierende Art, die die Forscher selbst auf dem Campus des Instituts entdeckt, untersucht und auf den Namen „Paramacrobiotus BLR“ getauft haben, war im Gegensatz zu anderen bekannten, ebenfalls für gewöhnlich farblosen Bärtierchenarten (Hypsibius exemplaris) in der Lage, 15 Minuten unter direkter UV-Bestrahlung zu überleben und gab dazu besagtes bläulich Leuchten von sich (s. Abb.). Die fluoreszierende Substanz extrahiert und auf die UV-empfindlichen Bärtierchen (H exemplaris) übertragen, waren auch diese in der Lage, der UV-Strahlung deutlich länger als zuvor zu widerstehen.

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Damit, so erläutert Eswarappa abschließend, wäre die Tardigraden-Art zwar nicht das erste bekannte irdische Tier, dass gegenüber UV-Strahlung weniger bis unempfindlich ist, dafür aber das bislang einzige, das dies Unempfindlichkeit einem eigens produzierten fluoreszierenden Schutzmechanismus verdankt.“

Je mehr Wissenschaftler über die Eigenschaften von extremophilen Lebewesen herausfinden – Organismen also, die selbst unter den extremsten Umweltbedingungen (Temperaturen, Druck, Strahlung, Gifte, Vakuum usw.) überleben und sich fortpflanzen können, desto mehr lernen sie über potentielles Leben auch auf anderen Himmelskörpern, auf denen entsprechende Bedingungen herrschen und die deshalb bislang als lebensfeindlich galten – in Wirklichkeit aber vielleicht extremophiles Leben beherbergen (können).







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Quelle: Biology Letters

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