Erste Video-Analyse von Trumps UFO-Forschungsrat: Vögel statt UFOs

Geschrieben am 08.10.2026
von Andreas Müller

Washington (USA) – Ein Forschungsrat aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener US-Universitäten und Forschungsinstitutionen sollen die US-Regierung bei der Untersuchung von unidentifizierten Flugobjekten und anomalen Phänomenen, kurz UFOs bzw. UAPs. Jetzt haben Mitglieder dieses Rates eine erste Analyse eines der jüngst vom Pentagon veröffentlichten mutmaßlichen UFO-Videos veröffentlicht und kommen in diesem Fall zu einem eindeutigen Ergebnis.

Standbild aus dem US-UAP-Video „DOW-UAP-PR135“ mit Ausschnittsvergrößerung.
Copyright: US Gov./DOW/PURSUE/AARO

Seit Mai 2026 veröffentlicht Trumps Kriegsministerium tranchenweise historische Akten und neue offizielle Videos zu UFOs und UAPs. Die so veröffentlichten Videos sind jedoch fast ausnahmslos der für eine unabhängige wissenschaftliche Analyse notwendigen Metadaten zu den abgebildeten Objekte beraubt: Schwarze Balken zensieren unter anderem Angaben zur genauen Position und Sichtungszeit, sowie zu Flughöhe, Geschwindigkeit oder Distanz sowohl der filmenden Aufklärungsplattform als auch zu dem gefilmten Objekt. Ohne diese Angaben ist es unabhängigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern jedoch nur schwer bis gar nicht möglich, durch direkte Analysen bekannte natürliche, astronomische oder technologische Objekte von exotischen oder gar außerirdischen Objekten, also UFOs und UAPs im engeren Sinn, zu unterscheiden.

Der „UAP Scientific Advisory Cuncil“ (UAPSAC) besteht aus 20 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterschiedlicher US-Forschungsinstitutionen.

Für die aktuell vorab via ArXiv.org veröffentlichte Analyse haben sich der Astronom Jacob Haqq-Misra von Blue Marble Space, der NASA-Wissenschaftler Ravi Kopparapu, der US-Skeptiker Michael Shermer, sowie Richard Cloete, Omer Eldadi und Avi Loeb vom Galileo Project an der Harvard University zusammengetan, um eines der jüngst im Rahmen des PURSUE-Programms veröffentlichten UAP-Videos zu untersuchen, um bestenfalls die Natur der abgebildeten Objekte identifizieren oder auch genauer beschreiben zu können.

Das Video

Bei dem Video (s. Titelabb.) handelt es sich um eine Aufnahme, die mit der 6. Tranche der PURSUE-Akten am 18. September 2026 auf der Webseite des Systems gemeinsam mit einem „Mission Report“ (Misrep) zur Sichtung veröffentlicht wurde (…GreWi berichtete).

Auf dem Infrarot-Video (DOW-UAP-PR135), das laut den spärlichen PURSUE-Angaben 2025 im Nahen Osten von einer US-Aufklärungsplattform aufgenommen wurde, sind sechs Objekte in einem variierenden Formationsflug zu sehen. Zur Aufnahme und dem Bericht heißt es bei PURSUE:

„Ein US-Militärangehöriger berichtete, ein UAP beobachtet zu haben, das aus ‚sechs kleinen, kugelförmigen Objekten‘ bestand. Er beschrieb deren Verhalten als ‚agil wirkend‘ und gab an, dass sie ‚häufig die Richtung änderten‘. Die Geschwindigkeit des UAP schätzte der Beobachter auf 480 Meilen pro Stunde [ca. 770 km/h].“ Weiter heißt es einschränkend:

„Sämtliche in diesem Bericht enthaltenen beschreibenden und schätzenden Angaben geben die subjektive Wahrnehmung und Einschätzung des Beobachters zum Zeitpunkt des Ereignisses wieder. Diese Charakterisierungen sind daher nicht als schlüssiger Hinweis darauf zu verstehen, ob die beobachteten Objekte tatsächlich über bestimmte inhärente Eigenschaften oder Leistungsmerkmale verfügten oder nicht.“

Sechs flackernde Flugobjekte

Bei Ihrer Analyse des ebenfalls vollständig Daten-zensierten Aufnahme, haben sich die Autoren der Studie aber nicht allein auf die im Missionsbericht angegebenen Bewegungsdaten konzentriert. Stattdessen untersuchten sie die sechs Objekte Bild für Bild und analysierten insbesondere deren Helligkeit.

Dabei zeigte sich ein auffälliges Muster: Alle sechs Objekte hellten sich regelmäßig auf und wurden wieder dunkler. Die Frequenz dieser Schwankungen lag zwischen 7,1 und 7,9 Hertz. Bemerkenswert ist, dass jedes Objekt dabei eine eigene Frequenz und Phasenlage aufwies.

Kein Hinweis auf Video- oder Sensorfehler

Zunächst überprüften die Forschenden, ob das beobachtete Flackern durch die Videoaufzeichnung selbst verursacht worden sein könnte. Dazu wurden unter anderem künstliche Objekte mit konstanter Helligkeit in das Video eingesetzt und unter denselben Bedingungen analysiert. Diese Kontrollobjekte zeigten die charakteristische Frequenz der sechs Erscheinungen nicht in vergleichbarer Stärke. Auch untersuchte Sensorfehler konnten das beobachtete Signal nicht erklären.

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Damit blieb die Frage, wodurch die regelmäßigen Helligkeitsschwankungen der sechs Objekte tatsächlich verursacht wurden.

Eine mögliche Erklärung lieferte der Flügelschlag von Vögeln. Durch die Bewegung der Flügel verändert sich die von einer Kamera wahrgenommene Oberfläche eines Vogels und damit auch seine Helligkeit sowohl im sichtbaren aber auch im Infrarotbild.

Vergleich mit fliegenden Tieren

Um diese Möglichkeit zu überprüfen, wandten die Forschenden dieselbe Analysemethode auf Infrarotaufnahmen an, die im Rahmen der instrumentellen Aufzeichnungen des „Galileo Projects“ mit bodengestützten Kameras in der Umgebung von Las Vegas gewonnen werden konnten.

Bei mehreren dort aufgenommenen fliegenden Tieren konnten ebenfalls regelmäßige Helligkeitsschwankungen festgestellt werden. Die gemessenen Frequenzen lagen zwischen 3,4 und 10 Hertz und damit in einem Bereich, der auch für den Flügelschlag verschiedener Vögel während des Fluges typisch ist.

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Besonders auffällig ist dabei die Ähnlichkeit zum PURSUE-Video: Auch die sechs darin gefilmten Objekte zeigten jeweils einen regelmäßigen, voneinander unabhängigen Rhythmus. Nach Einschätzung der Forschenden passt dieses Muster zu einer kleinen Gruppe gemeinsam fliegender Vögel.

…480 Meilen pro Stunde?

Zugleich ergab sich so jedoch weiterhin ein gravierender Widerspruch zwischen der Analyse des Videos und der Geschwindigkeitsschätzung des (immerhin militärischen) Beobachters: Schließich bewegen sich Vögel nicht mit 480 Meilen bzw. 770 Kilometern pro Stunde. Nach Ansicht der Autoren lässt sich die scheinbare Geschwindigkeit jedoch durch den sogenannten Parallaxeneffekt erklären.

Das Problem besteht darin, dass die Entfernung der Objekte zur Kamera im veröffentlichten Material nicht bekannt ist. Bei einer Kamera an Bord eines sich bewegenden Flugzeugs (oder wie vermutlich in diesem Fall einer Aufklärungsdrohne) kann selbst ein sich vergleichsweise langsam bewegendes oder sogar stationäres Objekt vor dem Hintergrund des darunterliegenden Bodens oder Geländehintergrundes den Eindruck einer hohen Eigengeschwindigkeit erwecken.

Die Berechnungen der Studie zeigen, dass ein langsames oder stationäres Objekt bei einer Position von etwa 60 bis 80 Prozent der Flughöhe des Flugzeugs die im Bericht genannten 480 Meilen pro Stunde als scheinbare, auf den Boden projizierte Geschwindigkeit erzeugen würde – ohne diese in Wirklichkeit zu erreichen.

Einfachere Erklärung für ein UAP-Video

Nach Einschätzung der Forschenden weisen damit drei unabhängige Beobachtungen in dieselbe Richtung: die regelmäßigen Helligkeitsschwankungen im Bereich typischer Flügelschlagfrequenzen von Vögeln, der Vergleich mit tatsächlich aufgenommenen fliegenden Tieren sowie die Möglichkeit, die hohe scheinbare Geschwindigkeit durch Parallaxe zu erklären.

Quelle: Loeb et al. ArXiv 2026

Die Autoren halten deshalb eine kleine Vogelschar, die relativ näher an der Kameraplattform vobeiflog als vom Beobachter angenommen, für die einfachste Erklärung der sechs Erscheinungen.

Allerdings schränken die Autoren der Studie aber auch in diese aufklärende Deutungsrichtung ein, dass sich auch andere Interpretationen aufgrund der fehlenden Metadaten nicht ganz ausschließen lassen. „Anhand der zensierten Angaben zur Flughöhe der Plattform, könnte die Vogel-Interpretation eindeutig geprüft, bestätigt oder aber auch ausgeschlossen werden“, bemängeln die Autoren.

Obwohl die Autoren zuversichtlich sind, mit der beschriebenen Gruppe von Vögeln eine fundierte Erklärung für das vermeintliche UAP-Video aufzeigen zu können, zeige die Analyse und die offenkundige Einschränkung durch die zensierten Daten zweierlei:
Zum einen sei es selbst bei einigen der stark geschwärzten Videos zumindest möglich, mithilfe reproduzierbarer, quantitativer und vergleichender Methoden, konkrete Hypothesen zu überprüfen. Zugleich demonstriere die Analyse aber auch, wie sehr die Veröffentlichung der geschwärzten Sensor- und Plattformdaten zusätzliche Informationen liefern könnte, mit deren Hilfe sich selbige Hypothesen widerlegen ließen.

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Recherchequelle: ArXiv.org, eigene Recherchen grewi.de

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