Wie im Tiefsee-SciFi: Auch Tiefseespinnen können leuchten

Geschrieben am 07.10.2026
von Andreas Müller

Ottignies-Louvain-la-Neuve (Belgien) – Mit einem Durchmesser von bis zu 50 Zentimetern gehören die Tiefseespinnen Colossendeis tasmanica und Colossendeis minor nicht nur zu den marinen Riesenspinnen, sie verfügen auch über die Fähigkeit der Biolumineszenz. Diese lässt die Tiere in der immerdunklen Tiefsee in einem unwirklich blauen Leuchten erstrahlen.

Die Tiefseespinne Colossendeis tasmanica (A), gibt in der Dunkelheit und unter Reizen ein unwirklich erscheinendes blaues Bioleuchten über ihre Beine ab.
Quelle: J. Mallefet et al., Deep Sea Research Part I: Oceanographic Research Papers (2026)

Wie das Team um Dr. Jerome Mallefet von der belgischen Université Catholoique de Louvain aktuell im Fachjournal „Deep Sea Research Part I: Oceanographic Research Papers” (DOI: 10.1016/j.dsr.2026.104735) berichtet, leben diese Spinnen in mehreren Tausend Metern Tiefe vor der Ostküste Australiens. Während Forscher schon 2017 auf einer Expedition diese Biolumineszenz beobachten konnten, ist es nun erstmals auch gelungen, das überirdisch wirkende Lichterspiel auch anhand von Aufnahmen zu dokumentieren.

Bioleuchten der Tiefseespinnen erstmals dokumentiert

Nachdem das Bioleuchten schon zuvor von anderen Tiefseespinnenarten berichtet wurde, etwa anhand der Unterseite von Tieren im Indischen Ozean, war bislang unklar, ob das Licht von den Spinnen selbst erzeugt wurde oder von anderen biolumineszenten Organismen am Panzer der Tiere stammte

Die aus rund 1000 und 5000 Metern Tiefe gewonnenen Exemplare wurden in einer Dunkelkammer untersucht und begannen tatsächlich von sich aus das märchenhafte blaue Licht abzugeben, nachdem sie sanft sowohl physisch wie auch chemisch dazu stimuliert wurden.

Leuchtende Beine

Während der Körperrumpf der Tiere selbst kaum leuchtet, gibt C. tasmanica ihr tiefes blaues Licht mit einer Wellenlänge von 449 Nanometern lediglich über die Beine ab, deren Spitzen bis zu 10 Minuten lang besonders intensiv leuchteten, wenn die Tiere chemisch, etwa mittels Kaliumchlorid, stimuliert wurden. Bei physisch-mechanischen Reizen (etwa sanftem Druck) währte das Blau lediglich einige Sekunden bis etwas mehr als zwei Minuten. Die deutlich stärkere Lichtwirkung in Folge chemischer Reize deuten die Forscherinnen und Forscher als Hinweis auf Photoproteine, wie sie auch bei (ebenfalls bioleuchtenden) Quallen zu finden sind. Eine genauere molekulare Bestimmung und Bestätigung steht derzeit jedoch noch aus.

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Anhand von Laboranalyse konnten die Forschenden dann auch nachweisen, dass das Leuchten von Darm-Zellen in den Beinen hervorgerufen wird. Entsprechend vermuten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass es mit der Nahrung der Spinnen zusammenhängt, die sich unter anderem von Seeanemonen ernähren.

Warum genau die Gliederfüßer allerdings leuchten, ist noch unklar. Infrage kommen entweder die Partnersuche oder auch das Anlocken von Nahrung in der sonst immerdunklen Umgebung.

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Recherchequelle: sciencedirect.com

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