Analyse zu „Trumps UFO-Videos“: Zu wenig Daten für eine wissenschaftliche Auswertung

Geschrieben am 14.08.2026
von Andreas Müller

Washington (USA) – Seit dem 8. Mai 2026 veröffentlicht das US-Kriegsministerium auf Anordnung von Präsident Donald Trump tranchenweise UFO-Akten – darunter auch zahlreiche Videos aus militärischen Quellen. In fast allen dieser Videos wurden jedoch eigentlich vorhandenen Meta-Daten geschwärzt. Jetzt bestätigt eine erste wissenschaftliche Auswertung dieser Videos die schon zuvor geäußerte Kritik: In dieser (zensierten) Form sind die Videos nahezu nutzlos und lassen keine konkreten Aussagen über die Eigenschaften und Natur der gefilmten Objekte zu.

Schaubild zu den Analysen zum UFO-Video „DOW-UAP-PR113“ aus den PURSUE-Veröffentlichungen.
Copyright: US Gov./PURSUE/DOW

Gemeinsam mit dem Astronom Ravi Kopparapu vom Goddard Space Flight Center der NASA hat sich der Astrobiologe Dr. Jacob Haqq-Misra vom Blue Marble Space Institute of Science 112 der im Rahmen des „Presidential Unsealing and Reporting System for UAP Encounters“ (PRUSUE) veröffentlichten Sensorvideos angenommen und diese analysiert.

Im Ergebnis der vorab via ArXiv.org veröffentlichten Studie kommen die beiden Wissenschaftler zu einem ernüchternden Schluss, der jedoch bisherige Kritik an der zensierten Art und Weise der PURSUE-Veröffentlichungen stützt.

„Schwärzungen der Bildschirmanzeigen (s. Abbildungen) begrenzen die verfügbaren Informationen zur Identifizierung der Natur der gemeldeten unidentifizierten anomalen Phänomene (UAP)“, so die Autoren. Zwar könne die Geschwindigkeit, mit der ein Objekt einen Teil oder das gesamte Bildfeld durchquert, kann in Pixeln pro Bild gemessen werden. „doch um dies dann in eine physikalische Geschwindigkeit umzurechnen, sind zusätzlich (1) die Entfernung zum Objekt, (2) die Geschwindigkeit des beobachtenden Flugzeugs, (3) der Blickwinkel zwischen der Flugbahn des Objekts und dem Beobachter sowie (4) der Bildfeldwinkel des Kamerasensors erforderlich.“

Das Problem: „Keines der Sensorvideos im PURSUE-Datensatz liefert diesen vollständigen Satz an Informationen.“

Während in einem Clip (Fall: DOW-UAP-PR113) das Objekt zwar sichtbare Markierungen für den Depressionswinkel überquere, wodurch sich das Sichtfeld der Kamera rekonstruieren lasse, liefere dieser Clip jedoch nicht genügend Informationen, „um zwischen einem Vogel, der den Sensor aus geringer Entfernung passiert, und einem großen Flugkörper, der sich in einem Kilometer Entfernung mit Mach 5 bewegen würde“, zu unterscheiden (s. Abb.).

Hintergrund: Warum sind die Meta-Daten in den Videos geschwärzt?
Während die vermeintlichen UFOs/UAPs, also jene Objekte in den Aufnahmen, für die bislang keine hinreichende Erklrung gefunden wurde, mal mehr, mal wenige deutlich zu sehen sind, sind die besagten Meta-Daten durch schwarze Boxen zensiert.

Laut früheren Aussagen des US-Verteidigungsministeriums liegt der Grund für diese Schwärzung in Fragen und Aspekten der nationalen Sicherheit. Schließlich lassen sich aus genau diesen Daten auch Informationen über Ort, Datum, Zeit und Flughöhen eingesetzte Aufklärungsplattformen, sowie zu deren eigenen technischen Fähigkeiten ableiten. Dieser Umstand ist schlicht und einfach nicht im Sinne der US-Regierung, des -Militärs und nicht zuletzt auch der US-Geheimdienste (die eine Vielzahl dieser Plattformen letztendlich betreibt und kontrolliert) sein dürfte.

Auch ein zweiter Clip (Fall: DOW-UAP-PR149) zeige zwar ein bekanntes Fahrzeug mit somit ebenfalls bekannter Größe im Bild, das als Referenz verwendet werden könne, doch könne mit dieser Information lediglich eine Obergrenze einer vergleichsweise niedrigen Relativgeschwindigkeit von Mach 0,4 für das Objekt zu berechnet werden.

Schaubild zu den Analysen zum UFO-Video „DOW-UAP-PR149“ aus den PURSUE-Veröffentlichungen.
Copyright: US Gov./PURSUE/DOW

„Ohne zusätzliche Informationen können die Sensorvideos der PURSUE-Initiative in ihrer gegenwärtigen Form unidentifizierte Fälle nicht vollständig aufklären und keine anomalen Geschwindigkeiten schlüssig belegen.“ Allerdings gilt das sowohl für eventuelle exotische Eigenschaften, wie auch für profane Eigenschaften bekannter Objekte und Phänomene.

Kurz: Die bislang vom Pentagon via PURSUE veröffentlichten Videos sind in ihrer zensierten Form für eine wissenschaftliche Analyse und damit auch für eine Unterscheidung zwischen bekannten und unbekannten Objekten und deren Eigenschaften schlichtweg ungeeignet.

GreWi-Kommentar
Wenn Donald Trump selbst also erklärt, man werde die UFO-Akten alle freigeben, aber die Menschen müssten selbst entscheiden, was sie davon halten, zeigt dies einmal mehr, wie wenig Ahnung der US-Präsident von Wissenschaft und daten- und faktenbasierter Meinungsbildung versteht. Die vielfach von seinen Anhängern und MAGA-Abgeordneten beschworene Transparenz der Trump-Administration, die aus den PRUSUE-Veröffentlichungen in „nie zuvor dagewesener Weise“ offenbar werde, offenbar sich damit ebenfalls und einmal mehr als Augenwischerei. So verständlich staatliche Geheimhaltung sensibler Informationen zu Aufklärungseinsätzen und -Technologien ist, derartige Daten-beschnittene und damit wissenschaftlich fast wertlose Veröffentlichungen tragen nicht nur in der breiten Öffentlichkeit, sondern auch in Wissenschaftskreisen eher zu einer UFO-Fatigue (Müdigkeit angesichts neuer UFO-Informationen) als zunehmender Faszination im Thema bei.

Zum Thema

– Bei einer Bestellung via Amazon erhält GreWi eine Provision. –

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
US-Außenminister Rubio: „UFOs sind keine Verschwörungstheorie und sollten untersucht werden“ 12. August 2026
Pentagon prüft angebliche Existenz geheimer UFO-Videos 8. August 2026
USA veröffentlichen 5. Tranche an UFO-Akten 8. August 2026
US-Kriegsministerium veröffentlicht 4. Tranche der US-UFO-Akten 11. Juli 2026
US-Kriegsministerium veröffentlicht 3. Tranche an UFO-Akten 13. Juni 2026
Was beinhaltet die zweite Tranche der US-UFO-Akten? 25. Mai 2026
Kurzmeldung: US-Kriegsministerium veröffentlicht Tranche #02 von UFO-Akten und -Videos 22. Mai 2026
US-UFO-Akten online: Eine Milliarde Aufrufe nach nur einer Woche 19. Mai 2026
US-Kriegsministerium bereitet Veröffentlichung von 46 UFO-Videos vor 15. Mai 2026
Trumps erste UFO-Akten – Ein Kommentar 9. Mai 2026
US-Kriegsministerium veröffentlicht erste UFO-Akten 8. Mai 2026

Recherchequelle: ArXiv.org

© grewi.de