Verbergen sich Signale außerirdischer Zivilisationen in bislang kaum untersuchten Radiobereichen?

Geschrieben am 24.07.2026
von Andreas Müller

Birmingham (Großbritannien) – Seit Jahrzehnten konzentriert sich die Suche nach außerirdischer Intelligenz (SETI) auf einen vergleichsweise schmalen Bereich des Radiospektrums. Eine neue Studie legt nun nahe, dass technologisch entwickelte Zivilisationen womöglich genau dort nicht senden – sondern in bislang nahezu unerforschten höheren Radiofrequenzen.

Symbolbild: Die DV-59-Antennen der „Atacama Large Millimeter/submillimeter Array“-Teleskopanlage in der Atacama-Wüste.
Copyright: ALMA / Alex Pérez / CC BY 4.0

Wie die Astronomin Louisa Mason von der University of Manchester auf der Jahrestagung der Royal Astronomical Society (NAM 2026) und im Fachjournal „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“ erläutert, untersuchten die meisten bisherigen Radio-SETI-Projekte den Frequenzbereich zwischen 1,42 und 1,66 Gigahertz. Dieser Bereich wird als sogenanntes „Wasserloch“ (Water Hole) bezeichnet, da er zwischen den natürlichen Radioemissionen von Wasserstoff und Hydroxyl liegt – zwei Stoffen, aus denen Wasser entsteht.

Seit Langem gilt dieses vergleichsweise störungsarme Frequenzband als besonders vielversprechend. Die Überlegung dahinter: Eine technologisch fortgeschrittene außerirdische Zivilisation könnte die fundamentale Bedeutung von Wasserstoff und Hydroxyl erkennen und deshalb ebenfalls genau in diesem Bereich senden oder nach Signalen suchen.

Genau diese Annahme stellen neue Untersuchungen nun zumindest teilweise infrage.

Erstmals SETI mit ALMA

Louisa Mason von der University of Manchester führte die erste SETI-Untersuchung mit dem Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) in Chile durch. Statt neue Beobachtungen anzufertigen, griff sie auf bereits vorhandene Archivdaten zurück, die ursprünglich für andere astronomische Forschungsprojekte gewonnen worden waren.

Im Mittelpunkt standen nun schmalbandige Radiosignale, die als mögliche Hinweise auf technische Ursprünge gelten könnten und sich von natürlichen astrophysikalischen Prozessen unterscheiden.

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„Seit Jahrzehnten konzentriert sich SETI auf einen relativ kleinen Bereich des Radiospektrums“, erläutert Mason. Ziel ihrer Arbeit sei gewesen zu untersuchen, was sich möglicherweise entdecken lasse, wenn man stattdessen in einem völlig anderen Frequenzbereich suche. Die Millimeter- und Submillimeter-Wellenlängen seien bislang für SETI nahezu völlig unerforscht und eröffneten daher einen neuen Suchraum.

Keine Signale – aber ein neuer Suchansatz

Für ihre Untersuchung analysierte Mason zwei kleine Frequenzfenster innerhalb des sogenannten Bandes 3 von ALMA. Hinweise auf mögliche außerirdische Technosignaturen fand sie dabei nicht.

Darstellung des Frequenzbereichs und der Signalstärke, für die die jeweiligen Beobachtungsanlagen empfindlich sind. Sie verdeutlicht, dass derzeit keine anderen Instrumente SETI-Beobachtungen im Hochfrequenzbereich durchführen und dass ALMA über einen vielversprechenden, bislang noch unerforschten Frequenzbereich verfügt.

Darstellung des Frequenzbereichs und der Signalstärke, für die die jeweiligen Beobachtungsanlagen empfindlich sind. Sie verdeutlicht, dass derzeit keine anderen Instrumente SETI-Beobachtungen im Hochfrequenzbereich durchführen und dass ALMA über einen vielversprechenden, bislang noch unerforschten Frequenzbereich verfügt.
Quelle: Louisa Mason

Nach ihrer Einschätzung schmälert dieses Ergebnis den Wert der Studie jedoch keineswegs. Vielmehr zeige sie, dass Hochfrequenz-Radioteleskope künftig eine wichtige Rolle bei der Suche nach technologischen Signalen spielen könnten. Da bislang lediglich vier archivierte ALMA-Beobachtungen ausgewertet wurden, handelt es sich ausdrücklich nur um einen ersten Test dieses neuen Ansatzes.

Millionen Sterne statt Hunderttausende

Neben der Suche in einem neuen Frequenzbereich macht die Studie auf einen weiteren bislang unterschätzten Aspekt aufmerksam. Wenn Astronomen mit einem Radioteleskop ein bestimmtes Ziel beobachten, erfassen sie zwangsläufig zahlreiche weitere Sterne innerhalb des Gesichtsfeldes. Diese unbeabsichtigt mitbeobachteten Sterne bezeichnet Mason als eine Art „stellar bycatch“ – gewissermaßen astronomischen Beifang.

Bislang wurde ihre Anzahl meist mithilfe des Gaia-Sternkatalogs abgeschätzt. Mason verwendete stattdessen das Besançon Galactic Model, das auch weit entfernte, lichtschwache oder bislang nicht katalogisierte Sterne statistisch berücksichtigt.

Die Unterschiede sind erheblich: Bei der Neubewertung einer früheren SETI-Durchmusterung mit 1.327 Teleskopausrichtungen stieg die Zahl der tatsächlich erfassten Sterne von rund 288.000 auf mehr als 6,1 Millionen. Nach Ansicht der Forscherin vermittelt diese Methode ein wesentlich realistischeres Bild davon, welcher Teil unserer Galaxis bislang tatsächlich auf mögliche Technosignaturen untersucht wurde.

Größerer Suchraum als bislang angenommen

„Eine der spannendsten Erkenntnisse dieser Arbeit ist, dass wir tatsächlich sehr viel mehr Sterne untersucht haben, als bisher angenommen wurde“, erklärt Mason.

Selbst eine einzelne, vergleichsweise kleine Beobachtung könne eine enorme Vielfalt unterschiedlichster Sterne enthalten, die ursprünglich gar nicht Ziel der Untersuchung gewesen seien. Die Kombination aus Hochfrequenzbeobachtungen und galaktischen Simulationsmodellen ermögliche daher ein deutlich besseres Verständnis darüber, welche Bereiche der Milchstraße bereits durchsucht wurden und wo zukünftige SETI-Projekte ansetzen sollten.

Mason betont ausdrücklich, dass das Ausbleiben eines Signals keineswegs bedeute, dass es keine intelligenten außerirdischen Zivilisationen gebe. Die Untersuchung habe lediglich gezeigt, dass sich in den beiden analysierten Frequenzbereichen keine Kandidaten für Technosignaturen fanden.

Vielmehr versteht sie ihre Arbeit als Anstoß für zukünftige SETI-Projekte, die Suche deutlich über die bislang bevorzugten Frequenzbereiche hinaus auszuweiten und zugleich vorhandene astronomische Archivdaten intensiver für die Suche nach möglichen außerirdischen Technologien zu nutzen.

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Quelle: Royal Astronomical Society

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