5.000 Jahre altes Sonnenobservatorium nahe Stonehenge entdeckt

Geschrieben am 25.06.2026
von Andreas Müller

Bulford (Großbritannien) – Der archaische Steinkreis von Stonehenge gilt als Ikone der frühgeschichtlichen Sonnenbeobachtung – ist das Bauwerk doch auf Sonnenaufgangskpunkte zu den Sonnwendtagen ausgerichtet. Kaum fünf Kilometer von Stonehenge entfernt haben Archäologen nun erste Belege für ein rund 500 Jahre älteres Monument zur Sonnenbeobachtung entdeckt.

Grafische Rekonstruktion einer Sonnenwendfeier vor 5000 Jahren nahe Bulford vor: Die beiden aufrechten Holzpfähle bilden eine gedachte Linie zum Sonnenaufgangspunkt (Illu.).
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Wie die Archäologen um Dr. Phil Harding von „Wessex Archaeology“ aktuell berichten, deutet die Entdeckung deutet darauf hin, dass die astronomischen und religiösen Traditionen, die mit Stonehenge verbunden werden, deutlich ältere Wurzeln besitzen als bislang angenommen.

Zwei Holzpfosten als frühes Sonnenobservatorium

Im Zentrum der Anlage standen offenbar zwei hölzerne Pfosten, die in einem Abstand von etwa 120 Metern zueinander errichtet worden und so positioniert waren, dass die gedachte Linie zwischen beiden exakt auf den Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende und den Sonnenuntergang zur Wintersonnenwende ausgerichtet war.

Mithilfe von Rekonstruktionen des damaligen Himmels, der Landschaft und des Horizonts konnten die Archäologen und Archäologinnen nachweisen, dass die Anlage mit einer Genauigkeit von nur einem Grad auf die Sonnenwendpunkte ausgerichtet war.

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Die Forschenden vermuten, dass diese vergleichsweise einfache Holzkonstruktion als frühes Zeremonialzentrum diente, lange bevor aufwendigere und dauerhaftere Monumente wie Stonehenge errichtet wurden. Möglicherweise habe es sogar in der Frühphase von Stonehenge ähnliche Holzstrukturen gegeben, deren Spuren jedoch durch spätere Bautätigkeiten zerstört wurden. Nach Ansicht der Wissenschaftler zeigt der Fund, dass prähistorische Gemeinschaften die Bewegungen der Sonne bereits sehr früh mit erstaunlicher Präzision beobachteten und dokumentierten.

Hinweise auf große religiöse Zusammenkünfte

Die ursprünglichen Ausgrabungen in Bulford fanden bereits zwischen 2015 und 2017 statt und brachten insgesamt 48 Gruben zutage, die mittels Radiokarbonmethode auf etwa 2950 v. Chr. datiert wurden. Damit ist die Anlage zeitgleich mit der frühesten Bauphase von Stonehenge, als dort zunächst nur Erdwerke angelegt wurden.

Zahlreiche Funde deuten darauf hin, dass sich an diesem Ort größere Menschengruppen versammelten. Die Archäologen entdeckten Keramik, Tierknochen, bearbeitete Feuersteine und Holzkohle – Hinweise auf umfangreiche Feste und gemeinschaftliche Zusammenkünfte. (…GreWi berichtete).

Besonders bemerkenswert ist der Fund eines äußerst seltenen scheibenförmigen Messers, das bewusst in einer der Gruben niedergelegt worden war. Die Forscher vermuten, dass die Form des Objekts symbolisch auf die Sonnenscheibe Bezug nahm.

Das in der Anlage von Bulford von Phil Harding gefundenen Kreis-messer aus Stein.
Copyright: Wessex Archaeology

Die Anlage könnte somit ein wichtiger kultischer Ort gewesen sein, an dem die Menschen die jährlichen Sonnenwenden feierten – ähnlich wie es Besucher noch heute in Stonehenge tun.

Stonehenge als Teil einer viel älteren Tradition

Die Entdeckung verändert nach Ansicht der Wissenschaftler den Blick auf Stonehenge grundlegend. Das berühmte Monument erscheine nun weniger als singuläre Schöpfung, sondern vielmehr als Teil einer langen Entwicklung von religiösen und astronomischen Traditionen in der Landschaft von Wiltshire.

Die Ausrichtung auf die Sommer- und Wintersonnenwende zeigt, dass die Menschen dieser Region bereits Jahrhunderte vor der Errichtung der gewaltigen Sarsensteine eine enge Beziehung zwischen Himmel, Landschaft und religiösem Leben pflegten.

Für die prähistorischen Gemeinschaften sei die Sonnenwende weit mehr gewesen als ein astronomisches Ereignis. Sie habe den Lauf der Zeit markiert und möglicherweise die Hoffnung ausgedrückt, dass die Weltordnung, die Fruchtbarkeit des Landes und das Wohlergehen der Gemeinschaft erhalten bleiben.

Entdeckt wurde die Zeremonialstätte im Zuge archäologischer Untersuchungen vor dem Bau neuer Unterkünfte für aus Deutschland zurückkehrende britische Soldaten südlich des Truppenübungsplatzes in den Salisbury Plains.

Was zunächst wie ein unscheinbarer Befund wirkte, hat sich nun als Fund von herausragender Bedeutung erwiesen. Nach Ansicht der Forscher schreibt die Entdeckung die Geschichte der sakralen Landschaft rund um Stonehenge neu – und verschiebt die Anfänge ihrer astronomischen Traditionen um mindestens ein halbes Jahrtausend weiter in die Vergangenheit.

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Recherchequelle: Wessex Archaeology

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