Cambridge (USA) – Das an der Harvard University angesiedelte „Galileo Project“ ruft die Öffentlichkeit zur aktiven Mitarbeit auf: Freiwillige sollen bei der Klassifizierung von Himmelsobjekten helfen und damit die instrumentelle Suche nach UFOs und UAPs unterstützen.
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Wie der Harvard-Astronom Prof. Avi Loeb via Medium.com berichtet, versteht sich das Galileo Project als Ergänzung zur klassischen astronomischen Suche nach außerirdischer Intelligenz (SETI). Während traditionelle SETI-Programme vor allem nach elektromagnetischen Signalen ferner Sterne suchen, konzentriert sich das Galileo Project auf physische Objekte in Erdnähe, die potenziell mit nicht-menschlicher Technologie in Verbindung stehen könnten. Im Fokus stehen also nicht Radiosignale aus dem All, sondern beobachtbare Phänomene in und nahe der Erdatmosphäre.
Drei Observatorien mit neuartigem Ansatz
Hierzu betreibt das Projekt mittlerweile drei speziell entwickelte Observatorien in den US-Bundesstaaten Massachusetts, Pennsylvania und Nevada. „Anders als klassische Sternwarten, die primär auf ferne kosmische Quellen ausgerichtet sind, wurden die Galileo-Observatorien gezielt für die Überwachung des erdnahen Luftraums entwickelt“, so Loeb.
Die Instrumente erfassen kontinuierlich den gesamten Himmel in verschiedenen Spektralbereichen – darunter Infrarot, optisches Licht, Radiowellen sowie akustische Signale. Pro Jahr fallen dabei Millionen von Datensätzen an. Diese werden mithilfe künstlicher Intelligenz analysiert, um auffällige Ausreißer zu identifizieren, also Objekte mit ungewöhnlichen Flug- oder Bewegungsmustern.
Besonderes Augenmerk gilt Phänomenen, deren Flugeigenschaften von bekannten menschengemachten oder natürlichen Objekten abweichen. Um Entfernungen möglichst präzise zu bestimmen, setzt das Projekt auf Triangulation: Mehrere, rund zehn Kilometer voneinander entfernte Beobachtungseinheiten erfassen dasselbe Objekt aus unterschiedlichen Perspektiven. Auf diese Weise können dann Größe, Geschwindigkeit und Flugbahn genauer rekonstruiert werden.
Die KI braucht menschliche Unterstützung
Trotz modernster Technik stößt das Projekt aber zunächst auch an eine praktische Grenze: die schiere Menge an Bildmaterial. „Flugzeuge, Drohnen, Hubschrauber, Ballons oder Satelliten erscheinen je nach Tageszeit, Hintergrund, Beleuchtung und Blickwinkel völlig unterschiedlich“, erläutert Loeb. „Gleiches gilt für Vögel, Wolken oder atmosphärische Effekte. Diese Variabilität erschwert die automatisierte Klassifikation erheblich.“
Um die KI-Modelle zuverlässiger zu trainieren, setzt das „Galileo Project“ nun auf sogenannte Citizen Science (Bürgerwissenschaft). Über ein neu eingerichtetes Online-Portal können Interessierte Bilddaten sichten und die dargestellten Objekte bekannten Kategorien zuordnen. Ziel ist es, einen umfangreichen, manuell annotierten Datensatz aufzubauen, der als Trainingsgrundlage für die KI dient.
Wie Loeb weiter berichtet, wurden viele der bislang gesammelten Aufnahmen noch nie von einem Menschen betrachtet. Die Ingenieurs- und Datenteams seien stark mit dem Aufbau der Infrastruktur und der Weiterentwicklung der Modelle beschäftigt, sodass interne Kapazitäten zur vollständigen Auswertung fehlen. „Externe Helfer könnten daher einen entscheidenden Beitrag leisten – möglicherweise sogar, indem sie ein bislang übersehenes, ungewöhnliches Objekt identifizieren.“
Politische Debatte und unabhängige Forschung
Der Aufruf erfolgt vor dem Hintergrund einer erneut aufgeflammten politischen Debatte in den USA. In der vergangenen Woche äußerten sich sowohl der ehemalige Präsident Barack Obama als auch der amtierende Präsident Donald Trump zu UAP. Obama erklärte, Außerirdische seien „real“, er selbst habe jedoch keine gesehen. Trump warf ihm daraufhin vor, klassifizierte Informationen preisgegeben zu haben, und kündigte die Freigabe weiterer Regierungsakten zu UAP, UFOs und möglicher außerirdischer Technologie an.
Loeb betont jedoch, dass wissenschaftliche Erkenntnisse nicht allein von staatlichen Stellen abhängen sollten. Statt auf die Freigabe von Pentagon-Dokumenten zu warten, könne die Suche nach ungewöhnlichen Himmelsobjekten auch unabhängig erfolgen – durch systematische Datenerhebung und offene Analyse. „Alles, was es dazu braucht, ist ein Blick zum Himmel.“
Nach fast fünf Jahren Aufbauphase liefern die drei Observatorien nun kontinuierlich neue Daten. Mit dem öffentlichen Aufruf zur Bildklassifizierung will das Projekt die nächste Phase einleiten: eine breit angelegte, gemeinschaftliche Auswertung des Himmels – mit dem erklärten Ziel, außergewöhnliche Phänomene nicht länger dem Zufall zu überlassen, sondern sie methodisch und nachvollziehbar zu untersuchen.
– Das Labeling-Tool zum Mitmachen (Anmeldung erforderlich) finden Sie HIER
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Quelle: Galileo Project
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