Tempe (USA) – Noch immer orientiert sich die astronomische Suche nach Signalen außerirdischer Intelligenzen (Search for ExtraTerrestrial Intelligence, SETI) hauptsächlich auf eher klassische und Kommunikationsformen nach irdisch-menschlichem Vorbild. Gesucht werden hauptsächlich elektromagnetische Signale, wie wir sie auch zu Kommunikation verwenden würden. Eine aktuelle Studie regt nun an, diesen Ansatz grundsätzlich zu überdenken.
Copyright: Mike Lewinski (via WikimediaCommons) / CC BY-SA 2.0
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Wie das Team um Cameron Brooks von Arizona State University vorab via ArXiv.org schreibt, könnten Hochentwickelte außerirdische Zivilisationen statt über klassische Radiosignale oder gigantische technische Strukturen, sondern auch über subtile, wiederkehrende Lichtsignale kommunizieren. In ihrem Gedankenexperiment nennen die Forschenden etwa das Kommunikationsverhalten von Glühwürmchen auf der Erde an Beispiel und hinterfragen damit grundlegende Annahmen der bisherigen SETI-Forschung
Bisheriges SETI stark anthropozentrisch
Bislang konzentriert sich die Suche nach außerirdischer Intelligenz stark auf Technologien, die der menschlichen Entwicklung ähneln. Dazu zählen vor allem schmalbandige Radiosignale, Laserimpulse oder indirekte Hinweise auf Megastrukturen wie hypothetische Dyson-Sphären. Kritiker dieser Herangehensweise bemängeln schon länger diese stark anthropozentrischen Vorgabe. Tatsächlich wird noch immer selbst potenzielle außerirdische Intelligenz mit menschlichen Maßstäben gemessen, was dazu führen könne, fundamental andere Kommunikationsformen zu übersehen, so die Autoren und Autorinnen.
Die aktuelle Studie schlägt hingegen vor, Kommunikation nicht primär als gezielten Informationsaustausch im menschlichen Sinne zu betrachten, sondern eventuell auch als grundlegendes biologisches Prinzip. Auf der Erde existieren zahlreiche nicht-menschliche Kommunikationsformen, die effektiv, stabil und evolutionär erfolgreich sind. Ein bekanntes Beispiel sind Glühwürmchen bzw. Leuchtkäfer, die mithilfe regelmäßiger Lichtblitze Artgenossen erkennen, Partner finden und ihr Verhalten koordinieren.
Außerirdische könnten ganz anders kommunizieren
Übertragen auf außerirdische Zivilisationen könnten ähnliche Lichtsignale als eine Art kosmisches „Hier sind wir“-Signal dienen. Die Autoren gehen dabei weniger von gezielter Kommunikation zwischen einzelnen Individuen aus, sondern von breit ausgestrahlten, wiederkehrenden Leuchtmustern, die potenziell über große Entfernungen hinweg wahrnehmbar wären. „Solche Signale müssten nicht zwangsläufig Informationen im menschlichen Sinne transportieren, sondern könnten primär Präsenz, Stabilität oder technologische Reife anzeigen.“
Um zu untersuchen, wie solche Signale aus astronomischer Perspektive aussehen könnten, analysierten die Forscher Beobachtungsdaten von mehr als 150 Pulsaren. Diese schnell rotierenden Neutronensterne senden hochregelmäßige elektromagnetische Strahlung aus und gelten als einige der präzisesten natürlichen „Leuchtfeuer“ im Universum.
Obwohl die Analyse keinerlei Hinweise auf künstliche Muster oder technologische Eingriffe ergab, identifizierten die Autoren strukturelle Ähnlichkeiten zwischen Pulsar-artigen Signalen und Formen biologischer Lichtkommunikation auf der Erde.
Pulsare als Vorbild zukünftiger Durchmusterungen
Die Studie betont ausdrücklich, dass Pulsare selbst keine Kandidaten für künstliche Signale seien. Vielmehr dienen sie als natürliche Vergleichsobjekte, um zu verstehen, wie wiederkehrende Lichtblitze detektiert, klassifiziert und von rein astrophysikalischen Prozessen unterschieden werden könnten. Die Forschenden schlagen vor, bestehende Beobachtungsprogramme systematisch daraufhin zu überprüfen, ob ungewöhnliche, periodische Lichtphänomene möglicherweise alternative Erklärungen jenseits klassischer Modelle zulassen.
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Ein zentrales Argument der Arbeit ist die langfristige technologische Entwicklung fortgeschrittener Zivilisationen. Demnach könnten Kulturen, die sich über sehr lange Zeiträume stabil entwickeln, Kommunikationsformen bevorzugen, die energieeffizient, langlebig und unauffällig sind. Auch die Menschheit selbst bewege sich – unbeabsichtigt – in diese Richtung: „Während das 20. Jahrhundert durch starke, breit gestreute Radiosignale geprägt war, wird die Erde durch moderne, gerichtete Kommunikationssysteme zunehmend ‚radio-leiser‘ aus kosmischer Perspektive.“
Die Autorinnen und Autoren sehen in ihrem Ansatz keinen Ersatz für bestehende SETI-Strategien, sondern eine Ergänzung. Ziel sei es, den Suchraum zu erweitern und Denkbarrieren abzubauen, die aus einer zu starken Orientierung an menschlicher Technologie resultieren. Kommunikation, so das Fazit, sei ein universelles Merkmal des Lebens, das sich in vielfältigen Formen manifestieren könne – viele davon möglicherweise jenseits dessen, was heutige Suchprogramme gezielt erfassen.
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Quelle: ArXiv.org
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